Kiez-Vergewaltigung Warum wurde Adil B. nicht abgeschoben?

Knapp ein Jahr liegen die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht auf dem Kiez zurück – nun schlägt ein neuer Fall Wellen.

Der Marokkaner Adil B. (34) soll eine 24-Jährige in der „99 Cent“-Bar vergewaltigt haben er sitzt, nicht zum ersten Mal, in U-Haft. Auf ihn wartet jetzt ein Gerichtsverfahren dabei hätte er gar nicht mehr in Deutschland sein dürfen. Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen zur brutalen Sex-Tat.

Wer ist der mutmaßliche Täter?

Im Dezember 2015 kam Adil B. nach Deutschland, beantragte in Niedersachsen Asyl. „Das wurde im April dieses Jahres abgelehnt“, sagt Norbert Smekal von der Hamburger Ausländerbehörde. Bis Mai hatte der 34-Jährige die Möglichkeit, selbstständig auszureisen – das tat er nicht, sondern tauchte unter und kam nach Hamburg.

Die Strafakte Adil B.: Warum saß er zuvor schon im Knast?

Der abgelehnte Asylbewerber hat am 11. Juli bei einem Einbruch im Lokal „Mediterran“ an der Winsener Straße (Wilstorf) einen Laptop, ein iPad und Bargeld im Gesamtwert von 4000 Euro gestohlen. Er flüchtete mit dem Seat des Wirtes und baute in Seevetal einen Unfall. Polizisten fanden das Diebesgut in seinem Auto, nahmen ihn fest. Seitdem saß er in U-Haft, am 20. Oktober wurde er wegen des Einbruchs und des Diebstahls von Schuhen bei „Sportscheck“ zu einer Bewährungsstrafe von 9 Monaten verurteilt – und deshalb freigelassen.

Warum wurde er nicht aus der Haft abgeschoben?

Schuld ist möglicherweise Behördenversagen. Die Hamburger  konnten den 34-Jährigen nicht abschieben, weil das Asylverfahren hier nicht stattgefunden hat. „Wir haben die zuständigen Kollegen in Niedersachsen auf den Ausreisepflichtigen hingewiesen, dort hat jedoch niemand reagiert. Also wurde er freigelassen“, sagt Smekal. Die Ausländerbehörde in Niedersachsen konnte am Montag keine Stellung beziehen. Ob die Abschiebung auch an mangelnder Kooperation der marokkanischen Behörden scheiterte, ist unklar.

Was passiert nun mit Adil B.?

Nachdem er die 24-Jährige vergewaltigt haben soll, wurde er laut Polizei noch in der Toilettenkabine festgenommen. „Es wurde Haftbefehl erlassen. Er ist dringend tatverdächtig“, sagt Oberstaatsanwältin Nana Frombach. Er bleibt jetzt in U-Haft.

Begehen vor allem Ausländer solche Straftaten?

Von den 99 im Jahr 2015 von der Polizei ermittelten  Tatverdächtigen war knapp jeder zweite  Ausländer.  „Tatsächlich verzeichnen wir einen leichten Anstieg nordafrikanischer Tätergruppen“, sagt Jan Reinecke,  Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Er warnt aber vor Pauschalurteilen. Taten würden nicht begangen, weil es Ausländer sind, sondern weil diese Menschen oft ein Paket mit sich tragen, dass sie straffällig werden lässt. „Straftäter sind dann eher junge Männer, isoliert von der Familie, sozial entwurzelt, mit geringer Bildung und schlechten Chancen, sich in der Gesellschaft zu integrieren“, so Reinecke. Das rechtfertige die Tat natürlich nicht.

Was ist das Problem an der Statistik?

„Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik liefert ein verzerrtes Bild“, so Reinecke. Denn nicht jeder Verdächtige ist am Ende auch der Täter. Letztlich würde nur eine Strichliste von Taten gemacht, Verurteilungen hingegen nicht erfasst. Diese Zahlen liefert eine Statistik aus der Justizbehörde. Demnach wurden 2015 nur zehn Personen wegen Vergewaltigung verurteilt – sieben davon waren Ausländer.   Erfahrungsgemäß wird nicht jede Vergewaltigung als solche nachgewiesen. Die Urteile werden als anderer Straftatbestand gegen die sexuelle Selbstbestimmung eingestuft.

Wie reagiert der Kiez auf diese Tat?

Seit Silvester sind die Türsteher deutlich sensibler geworden. Aus der Szene heißt es, dass auch die Gäste nun schneller Alarm schlagen, wenn es Auseinandersetzungen und Auffälligkeiten gibt. „Die Lage ist generell ruhiger geworden, weil die Polizei auch mehr Präsenz zeigt“, so ein Türsteher zur MOPO.

Wappnet sich die Polizei bereits für Silvester?

Sie will ihr Konzept für Silvester noch in dieser Woche bekannt geben. Reinecke geht davon aus, dass die Polizei in der Silvesternacht stärker an Brennpunkten wie Reeperbahn und Landungsbrücken präsent sein wird. Auch der Aufbau einer mobilen Wache an der Großen Freiheit sei geplant, sodass sich Opfer von Übergriffen schnell melden könnten und Ermittler Spuren und Erinnerungen unmittelbar nach einer Tat festhalten können.

Quelle:MOPO

Foto: RUEGA/ Ruediger Gaertner

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