Angeklagte bestreiten Vorwürfe

Vor dem Hamburger Landgericht hat am Dienstag der zweite Prozess wegen sexueller Übergriffe in der Silvesternacht auf der Großen Freiheit im Stadtteil St. Pauli begonnen. Drei junge Männer aus Tunesien, Marokko und dem Irak sollen eine 18-Jährige bedrängt und an Brust, Gesäß und im Intimbereich angefasst haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen sexuelle Nötigung und Beleidigung vor. Beim Prozessauftakt ließen die Angeklagten, die 22, 24 und 26 Jahre alt sein sollen, über ihre Anwälte verlauten, sie seien zwar auf dem Kiez gewesen, aber die Vorwürfe würden nicht zutreffen

Anwalt attackiert Ermittler

Der Anwalt eines der Angeklagten erhob Zweifel an der Aussage der 18-Jährigen. Sie habe in einer ersten Vernehmung keine genauen Angaben zu den Tätern machen können. Er kritisierte auch die Arbeit der Ermittlungsbehörden. Man habe die junge Frau in späteren Befragungen wohl beeinflusst. Er sprach von manipulativem Verhalten und unprofessioneller Vernehmung, als man der 18-Jährigen Fotos aus der Silvesternacht vorlegte, auf denen sie die Täter wiedererkennen sollte.

Das Thema Wiedererkennung war auch der Knackpunkt im ersten Hamburger Prozess um die Übergriffe auf dem Kiez. Im Mai war ein Angeklagter freigesprochen worden, weil ihn das Opfer nicht eindeutig identifizieren konnte. Damals sagte die Richterin, es sei schwierig für Zeugen, zu unterscheiden, ob sie jemanden aus der Tatnacht wiedererkennen oder weil sie ihn schon mal auf Fotos bei der Polizei gesehen haben.

Aus einer Gruppe heraus gezielt Frauen bedrängt?

Der Anklage zufolge sollen sich die Männer in der Silvesternacht mit weiteren, bislang nicht identifizierten Männern verabredet haben, um aus einer Gruppe heraus gezielt Frauen zu bedrängen und die Verwirrung für Diebstähle zu nutzen. Dabei soll einer der Angeklagten versucht haben, das Handy der 18-Jährigen zu entwenden. Die Staatsanwaltschaft warf den Angeklagten vor, eine Lage ausgenutzt zu haben, in der ihnen die 18-Jährige schutzlos ausgeliefert gewesen sei, “mit dem Vorsatz, die Geschädigte in ihrer Ehre herabzuwürdigen.”

Im Gerichtssaal wurden Aufnahmen einer Menschenmasse im Bereich der Großen Freiheit gezeigt, die das Geschehen in der Silvesternacht dokumentieren sollen. Sie zeigen unter anderem eine junge Frau, die von Männern umringt ist. Als Zeuge war ein 30-jähriger Fotograf geladen, der die Bilder in der Silvesternacht angefertigt hatte. Einzelne Taten habe er nicht beobachten können, sagte er aus. Die Lage sei sehr unübersichtlich gewesen. Er erinnere sich jedoch an viele weinende Frauen.

Mehr als 400 Frauen in Hamburg belästigt

Insgesamt sollen in der Silvesternacht in Hamburg mehr als 400 Frauen belästigt worden sein. Für den Prozess sind bis Anfang Dezember weitere fünf Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: NDR

Foto: NDR

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