Anklage: Im Hafturlaub eine Bekannte vergewaltigt

Im Hafturlaub soll der 27 Jahre alte Angeklagte eine Frau vergewaltigt haben, die ihm in seiner Haftzeit oft geholfen hatte.
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Die 23-Jährige sitzt da, macht ihre Aussage und weint manchmal. Sie erzählt den Richtern der XVII. Essener Strafkammer, wie ihr Vertrauen ausgenutzt wurde. Wie der Mann, dem sie während seiner Haftzeit helfen wollte, sie in der Nacht zum 14. September 2015 brutal würgte, fesselte und vergewaltigte. Doch der 27 Jahre alte Angeklagte weist ihre Vorwürfe zurück: Alles sei freiwillig geschehen. Sie habe den Gewaltsex selbst inszeniert und seine frühere Tat im Detail nachgestellt. Eine Art Verschwörung.

Der Mann aus Welper ist kein unbeschriebenes Blatt, zur mutmaßlichen Tatzeit hatte er mal wieder ein paar Tage Hafturlaub. Am 10. Oktober 2011 hatte das Landgericht Essen ihn wegen Vergewaltigung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Damals hatte er ein Geständnis abgelegt. Laut Urteil lockte er eine 19 Jahre alte Bekannte, die er „so attraktiv“ fand, unter einem Vorwand in seine Wohnung. Dort warf er sie zu Boden, drohte ihr mit dem Tode, fesselte sie mit Kabelbindern, verschloss ihren Mund mit Klebeband und vergewaltigte sie. Anschließend ließ er sie gehen, umarmte sie und sagte: „Es tut mir leid.“

Genauso ist er offenbar wieder vorgegangen, glaubt man am Dienstag der Schilderung der 23-Jährigen. Sie ist eine Frau, die mitten im Leben steht, in ihrem Beruf schon mehrere Qualifikationen erfolgreich gemeistert hat. Den Angeklagten kennt sie als Nachbarjungen seit ihrem 14. Lebensjahr. Eine engere Beziehung mit ihm hatte sie nie, auch er schildert nichts anderes. Als sie hörte, dass er inhaftiert war, nahm sie Kontakt auf. „Ich wollte wissen, warum er sitzt und ob er es wirklich getan hat“, erklärt sie. Auf ihre Frage bei einem Besuch im Gefängnis habe er gesagt, dass er unschuldig sei und das Geständnis nur auf Anraten seines Anwaltes abgelegt habe. Die Zeugin: „Ich habe ihm das geglaubt.“

Fortan hielt sie den Kontakt, unterstützte ihn bei seinem Versuch, in den offenen Vollzug zu kommen. Sie lieh ihm auch 200 Euro, damit er Spielschulden im Knast zurückzahlt. Warum das alles, will Richterin Gabriele Jürgensen wissen. „Ich bin ein Mensch, der immer nur anderen Menschen helfen will. Ein Mensch, der etwas Gutes tun will.“

Dass sie den Gewaltsex inszeniert habe? Sie weist das zurück. Nur wenige Stunden nach der mutmaßlichen Tat hatte sie bei der Polizei Anzeige erstattet. Ein Rechtsmediziner, der sie untersucht hatte, sprach später von deutlichen Spuren, dass sie gewürgt wurde. Das sei so heftig gewesen, dass es als akut lebensbedrohliche Situation bezeichnet werden müsse.

Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/hattingen/anklage-im-hafturlaub-eine-bekannte-vergewaltigt-id12061558.html#plx710795986

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