Mehr Vorfälle in Wiener Bädern gemeldet

Vor Saisonstart war die Aufregung um Belästigung durch Asylwerber in Bädern groß. Eine vorläufige Bilanz über den Sommer zeigt:

  • Ja, es gab Zwischenfälle,
  • und ja,
  • auch mit Asylwerbern.
  • Aber es blieb bei wenigen.

Der Anlassfall: ein Iraker, der einen Zehnjährigen im Meidlinger Theresienbad im Dezember 2015 vergewaltigt hat. Und nach ein paar anderen Fällen – von Begrapschen von Frauen, Eindringen in Umkleidebereiche bis zu vergleichsweise harmlosem Planschen, war die Aufregung vor Start der Sommerbadesaison groß: Kann man angesichts dieser Fälle überhaupt in die Freibäder gehen? Gegen Ende einer wetterbedingt durchwachsenen Saison lautet die Antwort: Ja, natürlich. Zwischenfälle hat es aber gegeben, auch Fälle von sexueller Belästigung, und ja, es waren auch Asylwerber involviert. Und, die Zwischenfälle sind mehr geworden.

Die Details: In den städtischen Wiener Bädern wurden im Sommer bisher 21 gravierende oder meldepflichtige Vorfälle registriert – beziehungsweise wurde in diesen Fällen von „First Respondern“ eingeschritten. Diese First Responder sind 40 zusätzliche, eigens ausgebildete Mitarbeiter, die diesen Sommer angestellt wurden, um für Sicherheit zu sorgen, wie Martin Kotinsky von der MA 44 (Wiener Bäder) sagt. Etwa, indem sie uneinsichtige Ecken und heikle Orte kontrollieren. Die Kosten für die 40 Saison-Arbeitskräfte beziffert die Stadt mit einer halben Million Euro.

Bei den „gravierenden oder meldepflichtigen Fällen“ hat es sich in 13 Fällen um Drohung, Nötigung oder Körperverletzung gehandelt, ein Mal wurde eine verbotene Waffe gefunden. Einige der Fälle hatten einen sexuellen Konnex: Drei Mal hätten Badegäste onaniert, drei Mal seien die First Responder wegen sexueller Belästigung eingeschritten, einmal sei ein Kind belästigt worden. Zu den Details wie zu den Tätern hält man sich in der MA 44 auffallend zurück. Nur so viel: Im Fall der Belästigung eines Kindes sei der Täter ein Verwirrter gewesen, der sich neben Mutter und Kind setzte, den Eistee der Mutter trank und dann das Kind küssen wollte. Ein Fall öffentlicher Masturbation soll sich im Jörgerbad abgespielt haben. In zwei der Fälle seien jedenfalls Asylwerber involviert gewesen.

Die Zahl der Vorfälle habe sich im Vergleich zum Sommer 2015 (mit deutlich mehr Badetagen) klar erhöht: Damals wurden zwölf gravierende Fälle registriert, so Kotinsky. Allerdings: Seit 2015 hat sich auch der Umgang mit solchen Vorfällen verändert. Heuer wurden etwa Rangeleien oder Drohungen lästiger Gäste, die man früher nicht notiert hätte, genauer aufgezeichnet, so Kotinsky. Vergleichen könne man die Zahlen damit schwer.

Diese veränderte Praxis spiegelt sich in Berichten über Vorfälle, die früher nie publik wurden: Aus etlichen Bädern Österreichs wurden diesen Sommer Fälle von Voyeurismus oder Grapschen berichtet. In Salzburg, mit einer Debatte um Securities und Piktogrammen mit Verhaltensregeln, die aufgehängt wurden, im Frühjahr im Zentrum dieser Debatte, „haben wir die Saison gut über die Bühne gebracht“, sagt Bernd Huber, Büroleiter des zuständigen Vizebürgermeisters, Harald Preuner.

„Entspannter als befürchtet“

Aus den Bädern sei nur ein Fall bekannt: Im Freibad Leopoldskron hätten arabische Männer Mädchen angestarrt und verfolgt. Ob es ähnliche Fälle gab, die nicht bei der Stadt gemeldet wurden, könne er nicht sagen, aber „in Summe gestaltete sich die Saison wesentlich entspannter, als befürchtet“.

Die Piktogramme werten die Salzburger als Erfolg: Diese sollen nun von Polizeibeamten in ganz Österreich verwendet werden, wenn diese zu Präventions-Schulungen in Flüchtlingsunterkünfte gehen.

Quelle: http://diepresse.com/home/panorama/wien/5079424/Mehr-Vorfaelle-in-Wiener-Baedern-gemeldet

Bild: (c) Die Presse – Clemens Fabry 

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