Prozess gegen Messerstecher von Neumarkt-St. Veit

Nach einer brutalen Messerattacke auf zwei Frauen im Juni 2016 muss sich der mutmaßliche Täter vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Die aktuellen Entwicklungen

“Ich hatte eigentlich keinen Grund in den Garten hineinzugehen. Vielleicht hatte ich im Hinterkopf, mir dort Geld zu beschaffen. Es war Zufall, dass ich gerade diese Frau ausgesucht habe.” So äußerte sich der Angeklagte bei der Vernehmung durch die Polizei nach der Tat.

Heute vor Gericht äußert sich der Ungar nicht.

Bei der Vernehmung durch die Polizei zeigte sich der Angeklagte also weitgehend geständig – doch die Verletzungen mit dem Rasiermesser am Hals der Frau will er ihr nur versehentlich zugefügt haben, weil sie den Kopf drehte. Welche Motive hatte der Angeklagte? “Meine Freundin wollte mich verlassen, dann waren Rechnungen und Mahnungen, die ich nicht zahlen konnte. Ich war auf mich und die ganze Situation wütend”, sagte der Angeklagte bei der polizeilichen Vernehmung nach der Tat.

Der ermittelnde Kripo-Beamte berichtet Richter Fuchs außerdem von Selbstmordgedanken des Ungarn: In den drei Stunden zwischen der Tat und der Festnahme versuchte er sich mit Glasscherben Hände und Handgelenke aufzuschneiden.

Während der Richter den Kripo-Beamten vernimmt sitzt der junge Ungar zitternd auf der Anklagebank. Er starrt ausnahmslos auf den Boden, hat die Hände verschränkt, scheint den Kopf in seiner Jacke vergraben zu wollen.

Der Prozess wird nach einer Mittagspause mit der Vernehmung der Opfer fortgesetzt.

UPDATE, 11 Uhr: Prozessauftakt

Gerade mal 24 Jahre ist der Angeklagte, der am heutigen Dienstag vor dem Traunsteiner Landgericht erscheint: Er trägt einen Kurzhaarschnitt und einen Oberlippenbart, wirkt unauffällig. Wie versteinert sitzt er auf der Anklagebank neben dem vorsitzenden Richter Erich Fuchs.

Der gebürtige Ungar äußert sich nicht zur Tat. 2012 kam er mit seiner Mutter nach Deutschland, wohnte mit ihr zusammen. Bei seinen Arbeitgebern im Landkreis Mühldorf gab es nach Angaben eines Kripo-Beamten keine Probleme. “Bei seiner Festnahme war er ruhig und zurückhaltend“, so der Polizist, der als erster Zeuge vor Richter Fuchs aussagt.

“Er war bei klarem Bewusstsein”, so der Beamte. Weder Alkohol noch Drogen seien bei einer Blutabnahmen am Tattag festgestellt worden. Richter Fuchs zeigt das Tatwerkzeug: Ein Rasiermesser mit einer Klingenlänge von sieben Zentimeter. Mit diesem Messer soll er am Nachmittag des 27. Juni 2016 in den Garten eines Hauses in Neumarkt-St. Veit eingedrungen sein und eine Bewohnerin des Hauses, die nichtsahnend auf der Terrasse saß, angegriffen haben.

Geld und Wertgegenstände wollte er nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft erbeuten. Er hatte den Vorsatz, “zum Abreagieren von Wut Menschen zu töten“, so die Staatsanwaltschaft. “Der Angeschuldigte trat von hinten an die Geschädigte heran und packte sie mit der linken Hand an den Haaren und hielt ihr das Rasiermesser an die rechte Halsseite”, so die Staatsanwaltschaft.

Es kam zum Gerangel, das Opfer habe lebensgefährliche Schnitte an Hals, Schläfe und Brust erlitten – Venen, Arterien und Muskeln wurden teils durchtrennt. Als durch die Schreie die Mutter zu Hilfe kam wurde auch sie vom Angeklagten mit dem Messer attackiert. Die beiden Frauen konnten sich schließlich ins Haus retten, der Angeklagte flüchtete und konnte wenige Stunden später von der Polizei aufgegriffen werden.

UPDATE, 10.10 Uhr: Prozess läuft

Mittlerweile läuft der Prozess gegen den mutmaßlichen Messerstecher von Neumarkt-St. Veit. Ein chiemgau24.de-Reporter ist für Sie live vor Ort.

Erste Infos vom Prozessauftakt folgen in Kürze.

Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Vorbericht:

Ein 24-Jähriger war vergangenen Sommer “aufgrund seines Zorns über seine Lebensumstände” mit mehreren Messern auf einem Fahrrad losgezogen. Er hatte den Vorsatz gefasst “wahllos Menschen zu töten”, wie es in der Anklageschrift heißt.

Völlig überraschend griff er eine ihm unbekannte Frau und deren Tochter mit einem Messer an und verletzte beide schwer. Er konnte kurz darauf festgenommen werden. Heute muss er sich für seine Bluttat vor dem Landgericht Traunstein wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverlertzung verantworten.

Fünf Verhandlungstage sind angesetzt, das Urteil wird für den 30. März erwartet.

Quelle: innsalzach24

Foto: dpa

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