Wegen Zwangsehen: Immer mehr Frauen in Deutschland wollen vor ihren Familien fliehen

Seit 2013 setzt sich die Münchner Hilfsorganisation „Imma“ mit ihrer Fachstelle „Wüstenrose“ gegen die Zwangsverheiratung von jungen Frauen und Mädchen ein. Seither werden die Betroffenen vor allem in Beratungsgesprächen unterstützt.

Ihre Zahl hat sich von 2013 bis 2015 verdoppelt, wie Geschäftsführerin Sabine Wieninger im Gespräch mit FOCUS Online erzählt: „Zwischen 2013 und 2015 ist die Zahl der von uns betreuten Fälle von 95 auf 187 pro Jahr gestiegen. Es handelt sich mehrheitlich um Frauen zwischen 18 und 25 Jahren, die unsere Hilfe suchen. Sie stammen meist aus Afghanistan, der Türkei und dem Irak.“

Die Münchner Hilfsorganisation unterstützt Frauen bei ihrer Flucht in Frauenhäuser

Die Münchner Hilfsorganisation berät die Frauen und unterstützt sie bei der Flucht vor ihren Familien oder ihren Männern in Frauenhäuser.

Wieninger berichtet, dass die Frauen oft nicht nur Angst vor der Zwangsheirat mit einem Fremden oder einem Mann aus ihrer Verwandtschaft haben. Viele seien Opfer physischer und psychischer Gewalt. Zu FOCUS Online sagt Wieninger: „Es gab Fälle, in denen die Betroffenen davon berichteten, dass sie geschlagen und von ihren Angehörigen eingesperrt wurden – unter anderem um ihre Jungfräulichkeit zu schützen.“

Auch Männer von Zwangsheirat betroffen

Aber auch Männer erfahren solche „Gewalt im Namen der Ehre“. Insgesamt 16 Männer haben sich laut der Geschäftsführerin bislang bei „Wüstenrose“ gemeldet. Sie waren ebenfalls von Zwangsheirat betroffen. Ihre Familien wollten so der Homosexualität der Männer entgegenwirken.

Ob die Hilfe der „Wüstenrose“ die Betroffenen auch tatsächlich aus ihrer Notlage befreit, weiß der Verein nicht in allen betreuten Fällen. So brechen einige den Kontakt zum Verein wieder ab. „Aber manche Familien lassen sich auch umstimmen, so können wir Zwangsheirat verhindern“, so Wieninger zu FOCUS Online.

Quelle: Focus

Foto: Focus

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