40 Prozent der Belgier bagatellisieren Vergewaltigungen

Die Toleranzgrenze der Belgier beim Thema Vergewaltigung ist höher als in anderen Ländern. Das geht aus einer Meinungsumfrage der EU-Kommission hervor.

Ist eine Frau selbst Schuld, wenn sie sich zu sexy kleidet und dann vergewaltigt wird? Die Antwort auf diese Frage ist verstörend: 15 Prozent der Belgier, die sich dazu im Rahmen der Eurobarometer-Umfrage äußerten, sind der Meinung, in diesem Fall sei eine Vergewaltigung gerechtfertigt.

Generell vertreten der Umfrage zufolge 40 Prozent der Belgier die Meinung, dass Geschlechtsverkehr ohne Zustimmung in bestimmten Situationen nicht verwerflich ist. Demnach halten 18 Prozent der Belgier Geschlechtsverkehr ohne Zustimmung für vertretbar, wenn das Opfer alkoholisiert ist oder unter Einfluss von Drogen steht. 14 Prozent der Befragten würden nicht von einer Vergewaltigung sprechen, wenn das Opfer sich nicht wehrt oder nicht ausdrücklich „Nein“ zu der Handlung sagt.

Wer nun darauf schließt, die Umfrage spiegele die Meinung der Männerwelt wider, der irrt: Es sind größtenteils die weiblichen Teilnehmer der Umfrage, die eine Vergewaltigung unter Alkoholeinfluss tolerieren.

Im Rahmen der repräsentativen Meinungsumfrage wurden EU-weit knapp 28.000 Menschen befragt. In Belgien beteiligten sich rund 1.000 Menschen an der Umfrage. Erschreckend ist, dass Menschen in Belgien im EU-Vergleich eine höhere Toleranzgrenze gegenüber sexueller Gewalt haben (40 Prozent). Nur in Rumänien (55 Prozent), Ungarn (47 Prozent), Bulgarien (43 Prozent) und Tschechien (42 Prozent) sind noch mehr Menschen der Meinung, dass Sex ohne Zustimmung in bestimmten Situationen oder unter bestimmten Bedingungen vertretbar ist. In Schweden sind es nur sechs Prozent. Das ist zugleich der niedrigste Wert der Umfrage.

„Die Resultate sind in der Tat auffällig“, so Liesbet Stevens vom Institut für die Gleichheit von Frauen und Männern. „Die Toleranz gegenüber sexueller Gewalt kommt meiner Meinung nach auch daher, dass dieser Thematik in der Vergangenheit relativ wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Es gibt kaum Kampagnen, die potenziellen Tätern vermitteln, dass Vergewaltigung keinesfalls in Ordnung ist. Die Kampagnen zum Thema Vergewaltigung sind eher opferbezogen.“

Elke Sleurs (N-VA), Staatssekretärin für Chancengleichheit, sieht das Problem vor allem darin, dass Opfern allzu häufig selbst die Schuld an einer Vergewaltigung gegeben wird.

Quelle: Grenzecho

Foto: dpa

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