Übergriffe auf Frauen in Gersthofen: Polizei tappt weiter im Dunkeln

Nach den Ereignissen der vergangenen Woche haben viele den Eindruck, dass sich Gewalttätigkeiten gegen Frauen häufen. Ist das wirklich so? Ein Polizeisprecher klärt auf.

Die Nachricht von Übergriffe auf zwei junge Frauen in Gersthofen sorgte vor dem Wochenende für Schrecken. Noch immer gibt es keine Hinweise auf den oder die Täter. Die Polizei tappt weiterhin im Dunkeln.

Polizei sucht Zeugen

Der erste Fall ereignete sich am vergangenen Mittwochmorgen. Eine 18-Jährige war gegen 6 Uhr in Richtung Bahnhof unterwegs, als sie laut Polizei ein Mann von hinten zu Boden drückte und ihr in den Ausschnitt griff. Erst als sich ein unbeteiligter Passant vom Bahnhof näherte, flüchtete der Täter. Die Frau beschreibt ihn als etwa 1,80 Meter groß und stark sonnengebräunt. Zudem soll er nach Rauch gerochen und einheimischen Dialekt gesprochen haben. Neben dem Täter sucht die Polizei Gersthofen weiterhin nach Zeugen. Polizeioberkommissar Gerhard Miehle sagt: „Wir suchen speziell den Passanten, der dem Mädchen zu Hilfe kam.“

Der Weg zum Bahnhof, wo der Angriff stattfand, ist von Bäumen und Büschen gesäumt und nur schwach beleuchtet. Bürgermeister Michael Wörle sagt dazu: „Bisher habe ich noch keine Forderung nach besserer Beleuchtung gehört. Sollte es tatsächlich daran gelegen haben, werden wir natürlich reagieren.“

Ob es sich beim Angriff am vergangenen Freitagmorgen um denselben Täter handelt, ist weiter unklar. Auch hier hat die Polizei derzeit noch keine neuen Erkenntnisse. Gegen 5.50 Uhr hatte ein Unbekannter auf Höhe der Rot-Kreuz-Wache eine 20-jährige Radfahrerin von hinten gepackt und vom Fahrrad gezogen. Anschließend fuhr er mit ihrem Rad Richtung Schubertstraße davon. Laut Beschreibung der jungen Frau war der Angreifer etwa 1,70 Meter groß und sportlich. Er sprach Deutsch mit südländischen Akzent.

Übergriff auf 18-Jährige in Neusäß

In den vergangenen Monaten kam es in der Region mehrmals zu Übergriffen gegen Frauen auf offener Straße. So war eine 18-Jährige Anfang August in Neusäß ebenfalls in der Nähe des Bahnhofs angegriffen worden. Die Beamten nahmen daraufhin einen 36-Jährigen aus Nigeria wegen des Verdachts der Vergewaltigung fest. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft, die Ermittlungen gegen ihn laufen noch.

Auch auf der Gersthofer Kulturina kam es Anfang August zu Übergriffen. Zwei Frauen meldeten sich als Opfer eines Grapschers. Einer 26-Jährigen fasste der Mann ans Gesäß und schlug ihr anschließend ins Gesicht, als sie ihn zur Rede stellte. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um denselben Mann handelte, der zuvor eine 59-Jährige unsittlich berührt hatte. Die Frauen beschrieben den Täter als etwa 1,60 Meter Meter groß, schlank und schmächtig. Der Mann sei zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen, hatte dunkle Haut, kurze nach hinten gegelte Haare sowie schlecht gepflegte Zähne. Er trug einen dunklen Blazer und Jeans.

Häufen sich die Übergriffe?

Häufen sich die Übergriffe auf Frauen in der Region? Polizeisprecher Siegfried Hartmann erklärt: „Ob solche Übergriffe in letzter Zeit gehäuft vorkommen, ist schwer zu sagen. Bilanziert werden muss nicht über einen kurzen Zeitraum, sondern über das ganze Jahr.“ Erst im März wird die Polizei ihre Kriminalstatistik vorstellen, die eine Antwort liefern kann. Über die letzten Monate könne höchstens eine Momentaufnahme erstellt werden, „die nicht aussagekräftig ist“, so Hartmann.

Eine mögliche Erklärung für die scheinbare Häufung von Übergriffen sei auch, dass die Menschen sensibler geworden seien und solche Vorfälle vermehrt zur Anzeige brächten, erklärt Hartmann. Ob das mit den Vorfällen der Silvesternacht in Köln zu tun hat? „Möglicherweise ja, das wäre allerdings reine Spekulation.“ Bürgermeister Wörle erklärt: „Trotz der bedauerlichen Häufung solcher Übergriffe sehe ich Gersthofen nicht als Problemstadt an. Das kann man daraus nicht ableiten.“

Foto: Frederik Haug

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