Zu eigenständig: Frau vergewaltigt?

Ein 54-jähriger Kelheimer aus der Türkei soll seine Frau zum Sex gezwungen und seiner Tochter ins Gesicht geschlagen haben.

Weil ihm seine Ehefrau durch einen Deutschkurs zu selbstbewusst wurde, soll ihr Mann Ende letzten Jahres mit roher Gewalt versucht haben, gegenzusteuern. Seit Montag steht ein 54-jähriger Kelheimer türkischer Staatsangehörigkeit wegen dreifacher Vergewaltigung seiner Frau und Mutter seiner vier Kinder in Regensburg vor dem Landgericht unter Vorsitz von Richterin Dr. Bettine Mielke.

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Außerdem wirft die Anklage dem Kelheimer vor, seiner damals zwölfjährigen Tochter im Dezember letzten Jahres einen schmerzhaften Faustschlag gegen die Stirn versetzt zu haben. Als Grund gibt die Staatsanwaltschaft „Ärger“ des Vaters wegen einer notwendigen Ausgabe der Familie an. Die Schülerin habe neue Gläser für ihre Brille gebraucht. Dies hätte den Angeklagten Geld gekostet, hieß es.

Angeklagter bestreitet Sextaten

Doch der Angeklagte schwieg zu der ihm vorgeworfenen Körperverletzung an seiner Tochter. Die Vergewaltigungen bestritt er über seine Verteidiger Michael Frank und Christian Bertsch vehement: Der 54-Jährige vermutet – das ging aus einer verlesenen Erklärung hervor – in den Anschuldigungen offenbar einen Komplott der Verwandtschaft seiner Frau.

Das Kelheimer Jobcenter hatte im Herbst letzten Jahres den Deutschkurs für die Ehefrau angeordnet. Mit spürbaren Folgen: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft entwickelte die gestandene Schülerin nicht nur bessere Sprachkenntnisse, sondern auch eine ganz neue Eigenständigkeit und ein stärkeres Selbstbewusstsein – offenbar zum Missfallen des ein gutes Stück älteren Familienvaters.

Da soll der 54-Jährige bei drei Gelegenheiten Ende November und Anfang Dezember letzten Jahrs nach seiner Heimkehr gegen Mitternacht das Schlafzimmer betreten haben, in dem seine Frau und seine vier Kinder schliefen. Dort fiel er laut Anklage über sein körperlich deutlich unterlegenes Opfer her und zwang es zum Sex – obwohl die Frau weinte und dies unmissverständlich ablehnte. Beim dritten Mal soll der Mann sie auch noch als „Hure“ beschimpft und ihr ins Gesicht gespuckt haben.

Vom eigenen Vater missbraucht?

Angesichts dieser Vorwürfe trug die Verteidigung eine überraschende Erklärung ihres Mandanten vor. Der Geschlechtsverkehr sei „einvernehmlich“ gewesen, beteuerte dieser darin. „Gewalt war nicht im Spiel. Sonst wären doch die Kinder dabei aufgewacht.“

Hintergrund der falschen Anschuldigungen sei, dass seine Frau als 13-Jährige in der Türkei von ihrem eigenen Vater missbraucht wurde, ließ der Angeklagte verlauten.

Ihm gegenüber habe der alte Herr den früheren Missbrauch auch am Telefon eingeräumt, so der 55-Jährige. Doch nun mache der Mann und eine weitere Verwandte des Opfers „Druck.“ Die falschen Anschuldigungen seien in die Welt gesetzt worden, um den Angeklagten „mundtot zu machen, damit die alte Sache nicht aufkommt.“

Der Versuch, die Tochter des Angeklagten im Zeugenstand zu vernehmen, scheiterte: Die 13-Jährige brach weinend zusammen und schluchzte: „Mir geht es nicht gut!“ Ihre Vernehmung wurde vorerst abgebrochen und das Kind aus dem Sitzungssaal begleitet.

Ihre Mutter blieb dagegen bei den gegenüber der Polizei geäußerten Vorwürfen: „Mein Mann kam heim. Ich lag schon im Bett, stand auf und wollte zu den Kindern gehen. Da hat er mich an den Haaren gepackt und mich mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen“, sagte sie, wobei sie ihr Gesicht zeitweise mit den Händen bedeckte. Sie habe sich damals nicht gewehrt. „Sonst hätte er mich geschlagen“. Es habe auch schon früher Schläge gegeben. Außerdem habe sie in ihren Armen nach einer beidseitigen Gelenksoperation „keine Kraft“ gehabt. „Dann hat er mich noch bespuckt und beleidigt.“

Zum Motiv der Tat meinte die Zeugin: „Er kam immer und sagte, ich sei keine Jungfrau mehr gewesen bei der Eheschließung. Er warf mir vor, ich hätte mit meinem Vater Verkehr gehabt. Aber das stimmt gar nicht!“

Der Prozess dauert an.

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