Ein Vater im Zorn: „Dieser Mann hat unser Kind missbraucht – und läuft frei herum“

Im Gerichtssaal an diesem Donnerstagmittag im Unnaer Amtsgericht blickt Oliver Pelz den Mann, der seine kleine Tochter missbraucht hat, unentwegt an. „Ich habe ihn nur angeguckt. Die ganze Zeit. Er guckte weg.“

Als die Plädoyers gehalten sind, das Urteil gesprochen ist, kann der Königsborner seine aufwallenden Empfindungen nur schwer unter Kontrolle bringen. 14 Monate auf Bewährung, das heißt, dieser Mann ist frei. Die achtwöchige Untersuchungshaft ist aufgehoben, der Syrer kann in seine Unterkunft in Holzwickede zurückkehren, wo er gemeinsam mit seiner Familie untergebracht ist. Seit über einem Jahr hält er sich als Flüchtling in Deutschland auf.

Oliver Pelz spürt „das Adrenalin durch die Adern jagen“. Er verlässt zusammen mit seiner Partnerin den Saal. Zu Hause wartete die kleine Tochter Kim (Name geändert), 11 Jahre. Kim besucht die 5. Klasse an der Peter-Weiss-Gesamtschule (PWG).  Vor acht Wochen ist sie mittags im dm am Ostring von einem dreimal so alten Mann verfolgt, gegen ein Regal gedrückt und grob an der Brust begrapscht worden. Der Täter griff so heftig zu, dass der Kinderarzt später Blutergüsse an der zarten Brust des Kindes sowie eine geschwollene Brustwarze feststellte.

Die Videokamera in der Drogerie hat alles aufgenommen. Dennoch leugnet der 34Jährige acht Wochen später vor Gericht jedwede sexuelle Absichten beim Zusammentreffen mit dem kleinen Mädchen. Er wollte nur Deo kaufen. Die Gänge in der Drogerie seien eng (was sie nicht sind), es sei in Syrien üblich, sich aneinander vorbei zu drängeln und dabei auch zu berühren. Ohne böse Absichten dahinter.

Staatsanwaltschaft und Richterin glauben diese Behauptungen nicht, sehen sexuellen Missbrauch in Tateinheit mit Körperverletzung als erwiesen, schon aufgrund der Videoaufnahmen und der Aussagen des kleinen Mädchens.

Gericht Justitia

Dennoch nur Bewährung, keine Haft? Die Eltern können es nicht nachvollziehen. Sie treten in dem Prozess als Nebenkläger auf und prüfen nun im Anschluss rechtliche Schritte gegen das Urteil.

Die Begründung für die Bewährung empfindet Kims Vater wie ein Schlag ins Gesicht.  „Es wurde gesagt, dass der Angeklagte in der Zeit, in der er jetzt in Deutschland ist,  das erste Mal straffällig geworden sei. Dies sei positiv zu werten.“ Für Oliver Pelz klingt das wie Hohn. „In mehr als einem Jahr in Deutschland hat er es nicht geschafft, sich ansatzweise zu integrieren. Er spricht so gut wie kein Deutsch. Er sagte – über seinen Dolmetscher – dass er die Worte, die er unserer Tochter ins Ohr raunte – „Oh, wie schön!“ – dass er die gar nicht sagen konnte, weil er gar kein Deutsch spricht. Er hat ihr diese Worte aber ins Ohr geflüstert, während er sie unter der Jacke betatschte.“ Der Mann habe dann vor Gericht noch ausgesagt, dass er dem Tod entkommen sei. Jetzt, hier in Deutschland, könne er sicher leben.

Oliver Pelz und seine Lebensgefährtin bringen die kleine Kim seit dem Übergriff täglich mit dem Auto zur Schule. Auf dem Rückweg zur Bushaltestelle wird sie jetzt immer von ihrer Integrationskraft begleitet. Vor jenem Mittag im April ging die 11Jährige den Weg von der PWG bis zur Haltestelle am Ostring sorglos mit ihren Freundinnen oder auch mal allein. „Das tut sie jetzt auf gar keinen Fall mehr“, sagt Pelz äußerst entschieden. „Sie traut sich jetzt auch nicht mehr. Sie hat Angst, dass wieder ein Mann kommt und sie anfasst.“

Für ihn steht fest klar, dass dieser Mann, der sich im dm an seiner Tochter vergriff, die Kinder schon auf dem Weg aus der Schule verfolgt hat. „Unsere Tochter hat uns das so erzählt, und wir haben keinen Anlass, ihr nicht zu glauben.“

Eine Bewährungsstrafe. Was, fragen Kims Eltern zornig, ist mit dem seelischen Schaden, den ihr Kind erlitten hat? „Am ersten Tag hat sie nur geweint. Sie sagte uns, Papa, Mama, dieser Mann soll eingesperrt werden.“ Dass er jetzt wieder frei herumläuft, das dürfen sie der Kleinen gar nicht sagen, meint Pelz. Es darf und kann nicht sein, wiederholt der Vater energisch, dass dieser Mann einfach weiterhin frei herumgehen kann, „er hat den Missbrauch ja noch nicht einmal zugegeben.“

Was er als Vater jetzt tun wird? Versuchen, irgendwie gegen das Urteil anzugehen. Darüber wird sich das Paar mit der Anwältin des Opferschutzbundes Weißer Ring besprechen. Und Oliver Pelz will persönlich noch zusätzlich etwas tun: „Ich werde Eltern in den Gefahrenzonen öffentlich aufklären und warnen!

Quelle: http://rundblick-unna.de/ein-vater-im-zorn-dieser-mann-hat-unser-kind-missbraucht-und-laeuft-frei-herum/

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