Hilferuf: Clans sorgen in der Essener Nord-City für Angst

Eine Interessensgemeinschaft aus der Essener Nord-City hat einen Hilferuf abgesetzt. Libanesische Clans sorgen an der I. Weberstraße für Angst.

Die Randale von kurdisch-libanesischen Clans vor zwei Wochen im Südostviertel und später in der I. Weberstraße hat jetzt die Immobilien- und Standortgemeinschaft City Nord (ISG) auf den Plan gerufen. In einer Erklärung des Vorstandes werden „permanente Rechts- und Regelverstöße bis hin zu organisiertem kriminellen Verhalten“ angeprangert. Die Empörung mündet in dem dramatischen Appell: „So geht es nicht weiter!“.

Unterzeichnet ist die Erklärung des ISG-Vorstandes, die zugleich ein dramatischer Hilferuf ist, von Frank Baumeister, Thomas Weden und Stefan Messink.

Geschäftsleute: Familien und Clans haben „erhebliche Wert- und Rechsvorstellungen“

Im Quartier rund um die I. Weberstraße, so heißt es, seien Familien und Clans mit „erheblich differenten Wert- und Rechtsvorstellungen“ ansässig. Gemeint sind so genannte Mhallami-Libanesen, die ihren Ursprung im heute türkischen Teil Kurdistans haben, in den Libanon übersiedelten und von dort nach Deutschland flüchteten.

Sie sind hauptsächlich in Berlin, Bremen und Essen ansässig. In der Ruhrmetropole leben einige tausend Mhallami, die meisten von ihnen sind nur geduldet. Nach Informationen dieses Zeitung hat sich der einflussreiche Präsident eines Berliner Clans kürzlich in Duisburg niedergelassen, seine Verwandten sollen unter anderem in Essen leben.

Dem Vernehmen nach betreiben Clan-Mitglieder in der Nord-City nicht nur Shisha-Bars und Grillstuben, sie erwerben zunehmend auch Immobilien. „Wir haben in der Vergangenheit Rechtsverletzungen bis hin zu Schwerstkriminalität erleben müssen, und die Ausschreitungen in den letzten Wochen zeigen nun ein Ausmaß, das vollkommen inakzeptabel ist“, resümiert der ISG-Vorstand.

Gespräch mit Polizei, OB und Stadtdirektor ist geplatzt

Beklagt werden „Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Bedrohungen und die Anwendung von Gewalt“. Nicht nur von „mafiaähnlich arbeitenden Clans“ ist in dem ISG-Appell die Rede. Es wird auch der Verdacht geäußert, „dass hier ein Netzwerk von illegaler Geldschöpfung geknüpft worden ist“ – eine diplomatische Umschreibung des Wortes Geldwäsche.

Ein für letzte Woche anberaumtes Gespräch des ISG-Vorstandes mit OB Thomas Kufen, Polizeipräsident Frank Richter und Stadtdirektor Hans-Jürgen Best ist kurzfristig abgesagt und verschoben worden.

Der ISG-Vorstand macht sich unter anderem dafür stark, einen „Arbeitskreis Sicherheit I. Weberstraße“ ins Leben zu rufen. Dieser soll einen ständigen Austausch von Verwaltung, Polizei und Staatsanwaltschaft mit Vertretern der Bürgerschaft gewährleisten.

Die Polizei hat mehrfach deutlich gemacht, gegenüber den Clans eine Null-Toleranz-Strategie zu verfolgen. Nach einer Razzia vor einem Jahr in der nördlichen Innenstadt sagte ein Polizeisprecher: „„Wir wollen den Kontrolldruck erhöhen und Nadelstiche setzen. Die Leute sollen sich nicht sicher fühlen und müssen jederzeit damit rechnen, dass wir aufschlagen.“

Ein Klima der Einschüchterung, Angst und Bedrohung

Die I. Weberstraße zählt zu den kürzesten der nördlichen Innenstadt. Ein quirliges Altstadt-Quartier, dem mit seinen Halbwelt-Bars und Zockerkneipen, Tanzsälen und Animierbetrieben einst der schillernde Ruf eines Vergnügungsviertels anhaftete. Doch nun stehen die Zeichen auf Aufbruch: Der Allbau hat seine Zentrale hierhin verlegt und die schicken Kastanienhöfe sollen möglichst viele solvente Mieter anlocken.

Mittendrin die renovierte Kreuzeskirche, die sich längst als ein befruchtender Ort von Toleranz und Esprit profiliert hat. Ihrem Besitzer, dem Alternativ-Unternehmer Reinhard Wiesemann, gehören gleich nebenan auch das Unperfekt- und das GeKu-Haus. Hinzu kommen der Webermarkt und die Ateliers, die das werdende Kreativquartier ebenfalls beleben.

I. Weberstraße ist zum einem Problemquartier geworden

Doch der aufblühende Prenzelberg-Charme stößt genau hier brutal auf ein verstörendes Kontrastprogramm. Denn die I. Weberstraße hat sich in den letzten Jahren zugleich zu einem Problemquartier entwickelt, in dem einflussreiche kurdisch-libanesische Familienclans – so genannte Mhallami – ein bedrohliches Klima der Angst, Einschüchterung und Respektlosigkeit geschaffen haben.

Die Immobilien- und Standortgemeinschaft City Nord (ISG) sieht „mafia-ähnlich arbeitende Clans“ am Werk und zeichnet das düstere Bild einer „Parallelgesellschaft“: einer explosiven Mischung aus Klein-Beirut und Klein-Chicago. Auch Spitzenbeamte im Essener Rathaus beobachten die bedenkliche Entwicklung in der nördlichen Innenstadt mit Argwohn und befürchten, dass sich die Situation weiter verschärfen wird.

Macho-Gehabe nervt die Anwohner

Die von der ISG angeführte „Lärmbelästigung tags und nachts durch getunte Sportwagen“ beschreibt ein Phänomen, das die zunehmende Präsenz arabischer Clans für jedermann besonders sichtbar macht. In der abschüssigen I. Weberstraße defilieren mitunter mehr Luxuslimousinen und Protzkarossen als auf der Kö in Düsseldorf: Audi R 8 und Mercedes AMG C 63, schneeweiße Maserati und pechschwarze 7er BMW. Getunte Boliden, die locker 150 000 Euro kosten und 540 Pferdestärken unter der Motorhaube haben.

Am Steuer sitzen meistens bärtige, muskulöse Männer, deren überdrehtes, fast schon comic-haftes Macho-Gehabe die Anwohner des Quartiers jedoch alles andere als amüsant finden. Sie beschweren sich nach ISG-Darstellung über „die vorsätzliche Missachtung von Verkehrsregeln und die mutwillige Übertretung der Geschwindigkeitsbegrenzung“. Die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, nicht zuletzt auch der Kinder, werde billigend in Kauf genommen, heißt es.

Was die Anwohner zusätzlich irritiert: Die meisten dieser Mhallami-Libanesen sind allenfalls geduldet und beziehen offiziell lediglich nur Sozialhilfe. Dass sie trotzdem in solchen Luxusautos unterwegs sind, schürt den bösen Verdacht, dass sie ihr Geld womöglich auf unanständige und sogar kriminelle Weise verdienen. Gemunkelt wird von Autoschieberei und Drogengeschäften, von Prostitution und Menschenhandel, von Glücksspiel und Schleusergeschäften.

Beleidigung im Flur: „Du Hurensohn“

Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Eckhaus I. Weberstraße/Kreuzeskirchstraße: mit der Shisha-Bar im Erdgeschoss und einer kurdisch-libanesischen Familie als Mieter im vierten Obergeschoss. Einst gehörte das Objekt einer dänischen Immobilienfirma, jetzt ist es im Besitz eines Esseners. Dieser, so heißt es, sei sei aggressiv eingeschüchtert und bedroht worden.

Eine sehr dubiose Rolle spielt in diesem Zusammenhang ein gewisser „Pumuckl“, ein polizeibekannter Mann, der schon zehn Jahre und damit fast ein Drittel seines Lebens im Gefängnis verbracht hat – meistens wegen Gewaltdelikten. Er soll den Eigentümer in einem Mietstreit einzuschüchtern versucht haben, in dem er unverhohlen damit gedroht habe, weitere zehn Jahre Knast in Kauf zu nehmen. Ein anderer Vorfall im Treppenhaus, bei dem der Eigentümer gefährlich auf die Treppe gedrängt worden sei, führte zu einer Anzeige. Nur wenige Stunden später lasen entsetzte Mieter im Flur die Worte „Du Hurensohn“ – in schwarzen Lettern an die Wand gesprüht.

Videokameras und Doppelstreife für die I. Weberstraße gefordert

Der Vorstand der ISG Nördliche Innenstadt weist auf die schwierige Situation der Hauseigentümer in der Weberstraße hin, die sich zu einer „Notgemeinschaft“ zusammengeschlossen hätten. Deren Hoffnung, zusammen mit den Sicherheitsbehörden eine Wende zum Besseren erreichen zu können, habe sich bisher nicht erfüllt. Mehr noch: „Das Vertrauen in die ermittelnden und strafverfolgenden Behörden hat gerade angesichts der Ereignisse der letzten Monate deutlich abgenommen.“

Um die Sicherheit im Umfeld von Weber- und Kreuzeskirchstraße wieder herzustellen, hat der ISG-Vorstand einen umfangreichen Forderungskatalog aufgestellt. Neben der Bildung eines „Arbeitskreises Sicherheit Weberstraße“ wird ein „optimiertes Präsenzkonzept mit Einrichtung einer Doppelstreife von Polizei und Ordnungsamt“ gefordert. Diese soll insbesondere ordnungs- und verkehrsrechtliche Delikte ahnden.

Ferner wird die vorübergehende Einstufung der Weberstraße/Kreuzeskirchstraße als „Gefährlicher Ort“ angeregt. Diese Klassifizierung verbessere die Eingriffsrechte der Sicherheitsbehörden und ermögliche die „Einrichtung einer Videoüberwachung“ – ähnlich der am Rheinischen Platz.

Die Stadt wird aufgefordert, die ordnungs- und baurechtliche Aufsicht samt der damit verbundenen Eingriffsmöglichkeit zu nutzen. Abschließend werden auch verkehrstechnische Veränderungen angeregt – zum Beispiel Zebrastreifen auf der I. Weberstraße und an der Kreuzung Kreuzeskirchstraße, ein schärferes Tempolimit (30 km/h) bzw. die Umwidmung in eine Fahrradstraße – lauter Maßnahmen gegen die lärmenden PS-Boliden, die das Quartier durchdringen.

Vertrauen in staatliche Instanzen

Abschließend regen die Immobilienbesitzer und Gewerbetreibenden der nördlichen Innenstadt eine grundsätzliche Diskussion an, die den Ursachen und den Strukturen des Clan-Problems auf den Grund gehe. Wie sehr das Verhältnis zu Stadt und Polizei inzwischen offenbar gelitten hat, verrät der letzte Satz der ISG-Erklärung. Wörtlich heißt es: „Erst bei sichtbaren Ergebnissen wird sich wieder ein hinreichendes Vertrauen in die staatlichen Instanzen herstellen lassen, das für ein friedlichen Neben- und vor allem Miteinander unabdingbar ist.“

Quelle: https://www.waz.de/staedte/essen/hilferuf-clans-sorgen-in-der-essener-nord-city-fuer-angst-id212901023.html

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