Die Stimmen haben befohlen, mit der Axt auf Reisende einzuschlagen

Im März schlägt ein Amokläufer mit einer Axt im Düsseldorfer Bahnhof wahllos auf Reisende ein. Zehn Menschen werden verletzt, die Polizei löst Großalarm aus. Nun kommt der Amokläufer in eine geschlossene Psychiatrie.

Das Blut, die Schreie, der starre Blick des Amokläufers:

Die Opfer, die dem Verfahren in Saal E.122 des Düsseldorfer Landgerichts als Nebenkläger gefolgt sind, haben das alles noch einmal durchleben müssen. Am Freitag bekommen sie ein großes Lob:

„Wie ruhig und sachlich sie an der Hauptverhandlung teilgenommen haben in einer Zeit, in der dies vielen Menschen immer schwerer fällt: Das hat uns imponiert“, sagt der Vorsitzende Richter Rainer Drees.

Soeben hat er Fatmir H. (37) dauerhaft in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Sogar der Verteidiger und der Betroffene selbst sind damit einverstanden. „Ich möchte mich entschuldigen“, hatte der noch bekundet.

Seine Prognose ist denkbar ungünstig. Trotz der starken Medikamente und der seit Monaten andauernden Behandlung sind seine Wahnvorstellungen nicht abgeklungen, führt der psychiatrische Gutachter aus. Bessert sich der Zustand nicht, wird der 37-Jährige wohl den Rest seines Lebens in der geschlossenen Psychiatrie verbringen müssen.

Der Feind im Kopf

Sein Verfolgungswahn hatte sich immer mehr gesteigert. Aus Angst vor einem Feind, der nur in seinem Kopf existierte, hatte sich der in Wuppertal wohnende Mann eine Axt gekauft und nach eigenen Angaben beschlossen, dem Phantom zuvorzukommen.

Er steigt in einen Zug, um den vermeintlichen Feind zu finden. Doch dann hätten ihm die tückischen Stimmen in seinem Kopf befohlen, mit der Axt auf die Reisenden einzuschlagen, damit ihn die Polizei erschießt und so von seinem Leiden erlöst, erklärte er.

Aber die Polizei schießt nicht, und der von den Stimmen getriebene Mann aus dem Kosovo springt von einer Eisenbahnbrücke in die Tiefe. Die Ermittler vermuten zunächst: um zu fliehen. Doch der Kosovare sagt später dem Psychiater: um sich umzubringen.

Schutz für die Gesellschaft

In der Psychiatrie habe der 37-Jährige bereits einen weiteren Suizidversuch unternommen, indem er seine Zahnprothese geschluckt habe, berichtet der Gutachter. Staatsanwalt Martin Stücker wertet das Geschehen als achtfachen versuchten Totschlag und betont: „Hier war ein schuldlos Handelnder am Werk.“ Es gehe aber nun darum, die Gesellschaft vor ihm zu schützen.

Videoaufnahmen und zahlreiche Augenzeugen ließen an der Täterschaft des 37-Jährigen keine Zweifel aufkommen. Den Opfern bleibt eine Aussage im Zeugenstand erspart. Einige schwebten mit Schädelbrüchen und gebrochenen Halswirbeln zeitweise in akuter Lebensgefahr. Mehrere leiden noch immer unter den Folgen und sind arbeitsunfähig, hatten Rechtsmediziner berichtet.

Weil die Polizei zunächst einen Terroranschlag nicht ausschließen konnte, löste sie Großalarm aus. Die Züge stoppten, die Türen wurden verriegelt, Hunderte Reisende saßen stundenlang fest, bis das Areal von Spezialeinheiten durchkämmt war, um sicherzustellen, dass nicht noch weitere Attentäter lauern.

Tragisch: Bei der Polizei hatte der Kosovare zuvor noch um Schutz und Hilfe gebeten, weil er verfolgt werde. „Die Polizistin hat mich aber nicht verstanden und nach Hause geschickt. Ich sollte mich melden, wenn irgendetwas ist“, so erzählt er es später dem Gutachter. Auch seinem Bruder berichtete er, dass er sich verfolgt fühlt. Dass von ihm eine tödliche Gefahr für andere ausgeht, damit rechneten beide nicht.

Quelle: https://www.welt.de/regionales/nrw/article168948902/Die-Stimmen-haben-befohlen-mit-der-Axt-auf-Reisende-einzuschlagen.html

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