Vergewaltigung: Einige Schuldbekenntnisse

In Wien stehen neun irakische Flüchtlinge wegen Vergewaltigung vor Gericht. Sie sollen in der Silvesternacht 2016 über eine betrunkene Frau hergefallen sein. Die Angeklagten bekannten sich teilweise schuldig.

Die Männer bekannten sich zum Auftakt des Prozesses teilweise schuldig. Im Gerichtssaal weinten einige von ihnen, andere blickten starr auf den Boden. Die Männer belasten sich gegenseitig. Einige sagen, die Frau habe freiwillig mitgemacht, sie selbst seien auch betrunken gewesen. Beim Opfer fanden sich DNA-Spuren von insgesamt sechs Flüchtlingen. Gegen Mittag lief die Befragung der Angeklagten, sie mussten einzeln vor das Gericht treten.

Silvesterfeier im Bermudadreieck

Die Deutsche war am 28. Dezember 2015 nach Wien gekommen, um gemeinsam mit einer hier lebenden Freundin Silvester zu feiern. Am 31. Dezember machten sie sich gegen 23.00 Uhr auf den Weg zum Silvesterpfad, wo sie den Jahreswechsel begingen. Nach 1.00 Uhr suchten sie ein Lokal im Bermudadreieck in der Innenstadt auf.

Die Frau dürfte reichlich Alkohol konsumiert haben – vier Iraker, die sich ebenfalls auf dem Silvesterpfad vergnügt hatten, nahmen sie Stunden später mehr oder weniger bewusstlos vor dem Lokal wahr. Sie war alkoholbedingt nicht mehr ansprechbar und lag auf dem Gehsteig.

Männer nutzten alkoholisierten Zustand aus

Diesen Umstand sollen die Männer ausgenützt haben. Sie brachten die wehrlose Frau in die Wohnung eines Freundes in der Rustenschacherallee in der Leopoldstadt, wo sich fünf weitere Iraker aufhielten, wobei einer von ihnen laut Anklage in arabischer Sprache gleich zu Beginn erklärte: „Ich scheiße auf Gott, ich werde sie heute nicht mehr loslassen.“ Aus Sicht der zuständigen Staatsanwältin war damit „für alle Beteiligten klargestellt, dass an der Frau sexuelle Handlungen durchgeführt werden“, wie der Anklageschrift zu entnehmen ist.

Frau schrie um Hilfe

In der Zweizimmerwohnung wurde die Deutsche in den kleineren Raum gebracht, wo – so die Anklage – die Männer im Alter von 22 bis 47 Jahren nacheinander über sie herfielen. Sämtliche Angeklagte waren 2015 nach Österreich gekommen. Vier von ihnen haben bereits Asylstatus erhalten. Bei den anderen Männern ist das Asylverfahren noch im Laufen. Drei waren in einem Flüchtlingsheim in Leoben untergebracht, die anderen beiden waren bei Freunden untergekommen.

Die überrumpelte Frau versuchte sich zunächst zu wehren und schrie um Hilfe. Als sie mitbekam, dass sich eine Horde von Männern in der Wohnung befand, „war sie völlig verängstigt und resignierte schließlich in der Hoffnung, dass alles nur ein böser Albtraum ist“, heißt es in der Anklage. Der Staatsanwaltschaft zufolge missbrauchten sämtliche Männer ihr Opfer, einige von ihnen mehrfach. Ein 31-Jähriger fertigte von sich und dem verstörten Opfer auch noch ein „Selfie“ an, ehe er sie zur Straßenbahn brachte.

Strafen bis zu 15 Jahre

Die Frau, die schließlich in einen Bus einstieg, fiel anderen Fahrgästen auf, weil sie weinte und sich in einem sichtlich aufgelösten Zustand befand. Sie brachten sie in ein Hotel am Schwedenplatz, wo der Portier die Polizei verständigte. Die Männer wurden ausgeforscht, die mutmaßlichen Täter, denen die Anklagebehörde Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch einer wehrlosen Person vorwirft, befinden sich seither in U-Haft.

Die Frau musste im August in stationäre Behandlung in eine psychiatrische Klinik aufgenommen werden, nachdem sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hatte. Sie leidet an Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen, Schuld – und Schamgefühlen. Ein von der Justiz eingeholtes Gutachten hat ergeben, dass diese Folgen einer schweren Körperverletzung gleichzusetzen sind. Den Angeklagten drohen damit im Fall von Schuldsprüchen Freiheitsstrafen von fünf bis 15 Jahren.

Quelle: ORF

Foto: APA/Herbert Pfarrhofer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.