Expertin: Sexuelle Belästigung durch Flüchtlinge ist ein Problem – so lösen wir es

Bei einem Festival in Bremen wurden viele Frauen sexuell belästigt: Es laufen 24 Ermittlungsverfahren. Die Tatverdächtigen sind Asylbewerber aus Afghanistan. Höchste Zeit, das Problem mit dieser Tätergruppe anzusprechen, sagt Islam-Expertin Susanne Schröter. Im Interview erklärt sie, welche Rolle der Islam spielt – und fordert Konsequenzen für Flüchtlinge, die sich nicht an Spielregeln halten.

urn-newsml-dpa-com-20090101-150925-99-01423-large-4-3

Die Ethnologin Susanne Schröter forscht in Frankfurt am Main zu Themen wie dem politischen Islam und Integration. Zuletzt ist von ihr erschienen “Gott näher als der eigenen Halsschlagader – Fromme Muslime in Deutschland”.

FOCUS Online: Frau Schröter, in Bremen ermittelt die Polizei in 24 Fällen, in denen eine Männergruppe Frauen umzingelt und dann unsittlich berührt haben soll. Alle Tatverdächtigen sind Asylbewerber aus Afghanistan. Haben wir in Deutschland ein Problem mit muslimisch geprägten Asylbewerbern und sexueller Belästigung?

Susanne Schröter: Ja, das ist offensichtlich. Natürlich betrifft das längst nicht alle Asylbewerber, aber das Problem gibt es. Das sehen wir ja an den Vorfällen von Köln bis Bremen, auf Kulturveranstaltungen, auf der Straße oder in Schwimmbädern. Es gibt in Deutschland immer noch eine Debatte darüber, ob man wirklich ansprechen sollte, dass die Taten genau von dieser Gruppe ausgehen, aus Angst, rassistische Vorurteile zu verstärken. Aber ich tue das, und ich finde es sehr wichtig, Ross und Reiter zu benennen.

„Tätergruppe klar benennen“

FOCUS Online: Warum ist das aus Ihrer Sicht so wichtig?

Schröter: Zum einen kann man das Problem nur dann angehen, wenn man die Tätergruppe klar benennt: Flüchtlinge und Asylbewerber, die größtenteils aus extrem patriarchalisch geprägten Gesellschaften zu uns kommen. Zum anderen führt eine Unterdrückung der Debatte ja nicht dazu, dass Informationen nicht zum Vorschein kommen: Sie verbreiten sich nur anders, in Form von Gerüchten zum Beispiel.

Das ist gefährlich, denn diese Gerüchte nähren Ängste in der Bevölkerung. Und eine verängstigte Bevölkerung legitimiert dann zweifelhafte Akteure. Wenn Rechtspopulisten die einzigen sind, die sich der Opfer anzunehmen scheinen, dann ist das ein Problem. Denn sie tun dann so, als sei der Islam eine einzige politische Ideologie und die einzige Erklärung für die sexuelle Belästigung.

FOCUS Online: Meinen Sie mit Rechtspopulisten die AfD?

Schröter: Ja, zum Beispiel.

„Männergruppen, die sich verabreden, um Frauen zu belästigen“

FOCUS Online: Worin sehen Sie die Ursache für die sexuellen Belästigungen, die von Flüchtlingen oder Asylbewerbern ausgehen?

Schröter: Zunächst muss man sagen, dass dieses Phänomen in Deutschland noch relativ neu ist. Dass Männergruppen sich verabreden, um gemeinsam Frauen zu belästigen, kannte man hierzulande noch nicht, bevor die Ereignisse in Köln die Aufmerksamkeit darauf lenkten. Das Phänomen erlangte vor einigen Jahren in Kairo auf dem Tahrir-Platz traurige Berühmtheit, als dort massenhaft Frauen sexuell belästigt wurden.

Es trat zuvor in all den Ländern auf, wo es sehr patriarchalische Strukturen gibt, mit einer strikten Einteilung in „ehrbare“ und „unehrbare“ Frauen. Die „Ehrbarkeit“ wird in solchen Gesellschaften zum Beispiel daran festgemacht, dass die Frauen sich verhüllen, sich zum Beispiel mit einem Kopftuch bedecken und sich ohne männliche Begleitung nicht in der Öffentlichkeit aufhalten.

Expertin: Männer wähnen sich im „Paradies“ mit verfügbaren Frauen

FOCUS Online: Das heißt, Sie sehen eine gesellschaftliche Ursache. Gibt es noch weitere Erklärungsansätze?

Schröter: Es spielt sicher auch eine Rolle, dass der Großteil der Flüchtlinge, die 2015 zu uns kamen, junge Männer waren – etwa im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Das ist genau das Alter, in dem Männer allgemein ein sehr großes Interesse an Sex haben und daran, Frauen und Mädchen kennenzulernen. Dann kommen sie hierher, in eine Gesellschaft, die ganz anders tickt als ihre eigene: Mit sexualisierter Werbung und Frauen, die große Freiheiten genießen, die sich freizügig kleiden und abends ohne Begleitung ausgehen und Männer ansprechen können, wenn sie das wollen.

Diese Männer sehen sich dem Paradies gegenüber, wenn sie nach Deutschland kommen – und gleichzeitig sehen sie sich von diesem Paradies ausgeschlossen. Sie sprechen die Sprache meist nicht und kennen die kulturellen Codes in Deutschland nicht: Wie spreche ich eigentlich eine Frau an? Bei manchen führt das offenbar zu dem Gedanken: Dann nehme ich mir die Frau eben.

„Stammen aus einer Kultur, in der Frauen weniger wert sind“

FOCUS Online: Heißt das, die Männer wissen einfach nicht, was hierzulande angemessen ist? Oder haben sie tatsächlich weniger Achtung vor Frauen?

Schröter: Beides spielt eine Rolle. Man muss davon ausgehen, dass sie die kulturellen Regeln hierzulande nicht kennen können – so etwas steht in keinem Reiseführer. Aber gleichzeitig ist es so, dass diese Männer aus einer Kultur stammen, in der Frauen weniger wert sind und in denen sexuelle Übergriffe als „Schuld“ der Frau angesehen werden. Sie sich ja hätte bedecken können, um die Begierde des Mannes nicht zu wecken, lautet eine Argumentation.

Sich von solchen kulturellen Mustern zu verabschieden, ist schwierig und wird wohl eine Zeit dauern. Aber wir müssen diese Männer darüber aufklären, welche Spielregeln in Deutschland gelten. Dass man Frauen nicht einfach anfassen darf, müssen wir konsequent und immer wieder erklären – so, dass es jeder versteht.

„Konsequente Ahndung“, wenn Flüchtlinge sich nicht an Spielregeln halten

FOCUS Online: Und was, wenn sich die Flüchtlinge trotz Aufklärung nicht an diese Spielregeln halten?

Schröter: Dann bin ich für konsequente Ahndung. Wenn beispielsweise jugendliche Asylbewerber nur bei der Polizei vorgeladen und dann wieder auf freien Fuß gesetzt werden, nehmen sie das nicht ernst. Das konnte man auch in Bremen beobachten: Einige der mutmaßlichen Täter waren schon vorher auffällig geworden, und trotzdem geschieht erst einmal nichts.

FOCUS Online: Welche Form der Ahndung stellen Sie sich vor?

Schröter: Wiederholte Verstöße müssen auch eine Auswirkung auf das Asylverfahren haben. Wenn solchen Tätern das Asyl verweigert würde, wäre das ein klares Signal dafür, dass sexuelle Belästigung nicht geduldet wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.