Syrer berichten im „Focus“ von Hetzjagd – Jetzt kommt raus: Sie sind Schauspieler

Im Bemühen, endlich die „Hetzjagden“ von Chemnitz belegen zu können, präsentiert „Focus Online“ zwei syrische Kronzeugen. Das Problem: Die Redaktion verschweigt, dass die beiden Schauspieler sind.

Außerdem erzählen Thaer Ayoub und Dimon Alawad lediglich, dass sie weggerannt sind – von tatsächlichen Übergriffen berichten sie nichts. Allerdings versucht der Film durch geschickte Schnitte und Sätze aus dem Off diesen Eindruck zu erwecken.

Im Kommentarbereich weisen „Focus“-Leser daraufhin, dass die beiden Schauspieler sind. Jouwatch hat das überprüft: Ja, sie treten für das Stadtteiltheater Chemnitz-Sonnenberg auf. Aber das allein widerlegt ihre Geschichten nicht: Auch ein Schauspieler kann in solche Situationen geraten. Er muss deswegen nicht unbedingt auch vor der „Focus“-Kamera ein Theaterstück aufführen. Dennoch bleibt die Frage, warum das Magazin das nicht erwähnt.

Problematischer ist, wie „Focus Online“ diesen Film einleitet, um die Aussagen von Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen, es habe keine Hetzjagden gegeben, zu widerlegen: „Gab es in Chemnitz Hetzjagden von Rechtsextremen auf Ausländer? Der Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, bezweifelt das. Thaer und Dimon sehen das anders. Sie sind vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland geflohen und leben heute in Chemnitz. Sie waren Betroffene der Vorfälle und beschreiben, wie sie von den Rechten bedrängt wurden.“

Was sie dann aber beschreiben, klingt absolut nicht nach Hetzjagd. Sie hätten vermeintliche Rechte gesehen und seien einfach weggerannt. Nicht weil sie „gejagt“ wurden, sondern weil ihnen der Anblick nicht geheuer war: Die ganze Stadt sei voller Rechter gewesen: Die „Nazis“ hätten das Stadtzentrum besetzt. Was die beiden ausdrücken, ist ihr Unwohlsein und ihre Angst, möglicher Weise Opfer von Übergriffen zu werden. Aber von tatsächlichen Attacken berichten sie absolut nichts.

Was ihre Aussagen nicht unbedingt glaubwürdiger macht, ist, dass beide jeweils behaupten, die Nazis hätte alle „Messer und Schwerter“ dabei gehabt. Einen Beleg dafür bleiben sie – genau wie „Focus“ – schuldig, zumal sie offenbar keinem „Nazi“ begegnet sind. Auch ihre Angst bleibt diffus. Er sei vor schwarz gekleideten Menschen geflüchtet, erzählt Thaer Ayoub. Dann ergänzt er selbst, er habe nicht gewusst, ob das nun Linke oder Rechte waren – die sähen ja alle gleich aus.

Über die Machart des Films und seine Botschaft lässt sich daher in der Tat streiten; das ist kein guter Journalismus und trägt eher zum weiteren Glaubwürdigkeitsverlust dabei. Schon gar nicht widerlegt es Maaßens Aussage. Und es bleibt auch die Frage, warum „Focus“ nicht offenlegt, hier zwei Schauspieler vor der Kamera zu haben. Ein transparenter Umgang mit dieser Tatsache hätte den Zweiflern Wind aus den Segeln nehmen können. Oder hat die Redaktion gehofft, das würde nicht herauskommen?

Quelle: https://www.journalistenwatch.com/2018/09/09/syrer-focus-hetzjagd/

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