Ali B.s Mutter beteuert: “Mein Sohn ist kein Mörder” – und beschuldigt anderen Mann

Die 14-jährige Susanna ist tot. Ein 20-Jähriger steht unter Verdacht, die Jugendliche vergewaltigt und getötet zu haben.

Nach seiner Flucht in den Irak wurde er dort gefasst und zurück nach Deutschland gebracht. Inzwischen hat er die Tat gestanden. Verfolgen Sie im News-Ticker von FOCUS Online den neusten Stand der Ermittlungen.

Ali B.s Mutter: “Mein Sohn ist kein Mörder”

Sonntag, 17. Juni 2018, 18.00 Uhr:

Die Mutter des geständigen Verdächtigen im Mordfall Susanna hat ihren Sohn als unschuldig bezeichnet und einen anderen Mann des Verbrechens bezichtigt.

“Mein Sohn ist kein Mörder. Sein türkischer Freund ist der Kriminelle und zurück in sein Land geflohen”, sagte die Mutter von Ali B. der dpa im nordirakischen Kurdistan am Telefon.

Ali B.s Mutter behauptete, ihr Sohn sei in Wiesbaden mit Susanna und dem Türken befreundet und mehrmals mit ihnen unterwegs gewesen. “Wenn sie die Wahrheit wissen will, sollte die deutsche Polizei den türkischen Mann festnehmen”, sagte sie der dpa. Ihr Sohn sei verraten worden. Namen nannte sie dabei nicht.

Sie sei ohne Wissen des “Vorfalls” zusammen mit ihrem Sohn aus Deutschland nach Kurdistan gereist, behauptete Ali B.s Mutter. Ihr schwer kranker Mann habe vor seinem Tod seine Verwandten ein letztes Mal sehen wollen. Vom Mord an Susanna habe sie erst nach der Verhaftung von Ali B. erfahren. Sonst hätten sie Deutschland nicht verlassen, schilderte die Mutter. Das Leben der Familie in Deutschland beschrieb sie als “sehr normal”.

Verdächtiger im Fall Susanna verzichtete bei Vernehmungen auf Anwalt

Donnerstag, 14. Juni, 12.25 Uhr:

Der Verdächtige im Mordfall Susanna hat bei seinen Vernehmungen auf einen Anwalt an seiner Seite verzichtet. “Er hat ausdrücklich erklärt, dass er keinen Verteidiger möchte”, sagte eine Sprecherin der Behörde am Donnerstag in Wiesbaden. Zuvor hatte “Spiegel Online” darüber berichtet. Ali B. sei zuvor ausführlich über seine Rechte aufgeklärt worden, sagte die Sprecherin. Er war nach seiner Ankunft in Deutschland zunächst von der Polizei und dann von einer Richterin vernommen worden.

Inzwischen sei ein Pflichtverteidiger für Ali B. bestellt worden, sagte die Sprecherin. Dies sei rechtlich auch erst dann verbindlich vorgesehen, wenn Untersuchungshaft angeordnet werde. Dies sei am  Sonntag am Ende der Vernehmung durch eine Ermittlungsrichterin der Fall gewesen. Ali B. hatte dabei gestanden, Susanna getötet zu haben. Er bestritt aber, sie vergewaltigt zu haben.

Iraks Regierung kritisiert Auslieferung von Ali B.

Mittwoch, 13. Juni, 13.06 Uhr: Die irakische Regierung hat die Übergabe des Tatverdächtigen im Fall Susanna an Deutschland als Rechtsverstoß kritisiert. Es gebe zwischen beiden Ländern kein Abkommen über eine Auslieferung von gesuchten Personen, teilte das Außenministerium in Bagdad am Mittwochmorgen mit. Den Verstoß hätten sowohl die kurdische Regionalregierung als auch Deutschland begangen. Nur das Justizministerium der irakischen Zentralregierung in Bagdad habe die Befugnis für einen Austausch von Gesuchten.

Der Verdächtige Ali B. war nach der Tat in die kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak geflohen und dort festgenommen worden. Kurdische Sicherheitskräfte übergaben ihn am Samstag in der Regionalhauptstadt Erbil deutschen Polizeibeamten, die ihn zurück nach Deutschland geleiteten. Der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, war persönlich in den Nordirak geflogen, um den Verdächtigen abzuholen.

Rückführung von Ali B. nicht legal? Strafverteidiger zeigt Bundespolizei-Chef an

17.57 Uhr: Der Karlsruher Strafverteidiger Daniel Sprafke hat Strafanzeige gegen Bundespolizei-Chef Dieter Romann sowie die an der Rückführung von Ali B. beteiligten Einsatzkräfte erstellt. Das berichtet der „Spiegel“. Romann und die Beamten sollen sich der Freiheitsberaubung schuldig gemacht haben, so Sprafke.

Demnach bestehe der Verdacht, dass Romann “die Fahndung persönlich und ohne Ermittlungsauftrag durch gesetzliche Strafverfolgungsbehörden veranlasst” habe, zitiert der „Spiegel“ aus der Anzeige.

Es hätten weder ein internationaler Haftbefehl noch ein Auslieferungsersuchen aus Deutschland vorgelegen. Deshalb hätten die freiheitsentziehenden Maßnahmen gegen Ali B. keine legale Grundlage gehabt, so der Strafverteidiger.

Eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg bestätigte, dass die Anzeige am Montagabend eingegangen sei. Diese werde nun an die Staatsanwaltschaft Potsdam weitergeleitet, in deren Gebiet das Bundespolizeipräsidium liegt.

Getötete Susanna in Mainz im kleinen Kreis beigesetzt

14.42 Uhr: Die getötete 14-jährige Susanna ist am Dienstag in ihrer Heimatstadt Mainz beigesetzt worden. Die Öffentlichkeit war davon ausgeschlossen. Eine Polizeisprecherin schätzte die Zahl der Trauergäste auf dem Jüdischen Friedhof in Mainz auf rund 100. Etwa 20 Polizisten hätten das Gelände abgesichert, Zwischenfälle habe es nicht gegeben. Zuvor hatte der SWR über die Beisetzung von Susanna berichtet. Der irakische Flüchtling Ali B. wird verdächtigt, das Mädchen vergewaltigt und umgebracht zu haben. Am 6. Juni wurde Susannas Leiche in Wiesbaden gefunden.

Staatsanwaltschaft: Ali B. vermutlich älter als zuerst angenommen

12.02 Uhr: Der mutmaßliche Mörder der 14-jährigen Susanna, Ali B., war zum Tatzeitpunkt vermutlich älter als angegeben. Die ergebe sich unter Vorbehalt aus Informationen des irakischen Generalkonsulats in Frankfurt am Main, sagte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn am Dienstag in Wiesbaden. Für Ali B. könnte das bei einem kommenden Gerichtsverfahren bedeuten, dass er nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden kann.

Der irakische Flüchtling wird verdächtigt, die 14-jährige Susanna in Wiesbaden vergewaltigt und getötet zu haben. Nach einer Flucht in den Irak war er am Samstag im Beisein von Bundespolizisten mit dem Flugzeug wieder nach Deutschland gebracht worden. Bei seiner Vernehmung gestand er, das aus Mainz stammende Mädchen umgebracht zu haben, bestritt aber eine Vergewaltigung. Er sitzt in Frankfurt in Untersuchungshaft.

Nach einer mündlichen Auskunft des irakischen Generalkonsulats in Frankfurt sei Ali B. im März 1997 geboren und nicht wie zunächst angenommen im November 1997, sagte der Staatsanwalt. Dem Konsulat lägen entsprechende Ausweisdokumente vor. Da diese Informationen der Staatsanwaltschaft noch nicht schriftlich vorlägen und noch nicht überprüft worden seien, seien sie noch unter Vorbehalt.

Stimmt die Auskunft, wäre der Iraker zum Zeitpunkt der ihm zur Last gelegten Tat bereits 21 Jahre alt gewesen. Dies hätte “für ihn erhebliche Folgen für das Verfahren”, sagte der Staatsanwalt. Ali B. könne dann nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. In diesem Fall müsste er mit einer erheblich schwereren Strafe rechnen.

Oberstaatsanwalt: “Wir überprüfen die Personaldaten des Beschuldigten”

Dienstag, 12. Juni, 06.28 Uhr: Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn hat im Mordfall Susanna angekündigt, “die Personaldaten des Beschuldigten zu überprüfen”. Das berichtet die “Bild”-Zeitung. Der Tatverdächtige habe bei seiner Einreise seinen echten Familiennamen verschwiegen. Womöglich habe er auch beim Alter gelogen. Deshalb solle nun nach den echten Papieren von Ali B. gesucht werden.

„Krasse Fehlentscheidung“ im Video : Todenhöfer empört über Auslieferung von Ali B.

Mutmaßliches anderes Opfer ist Deutsche

19.59 Uhr: Bei den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Mörder des Mädchens Susanna, Ali B., sind die Angaben zur Staatsangehörigkeit eines weiteren mutmaßlichen Opfers des Mannes korrigiert worden. Eine Elfjährige, die nach eigenen Angaben im März von einem Mann aus B.s Unterkunft vergewaltigt worden war, sei Deutsche, sagte ein Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft am Montagabend.

Bislang war angenommen worden, das Mädchen sei ebenfalls ein Flüchtling. Grundlage waren Äußerungen des Wiesbadener Polizeipräsidenten Stefan Müller vom vergangenen Donnerstag gewesen. Darüber hatten zuerst die “Zeitungen der VRM” berichtet.

Müller hatte gesagt, der Name Alis B.s sei auch im Zusammenhang mit der Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens aus der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim gefallen. Das Opfer habe angegeben, von einem Mann namens Ali aus der Unterkunft vergewaltigt worden zu sein. Die Hinweise hätten sich aber nicht erhärten lassen. Es habe keine Gründe für eine Inhaftierung gegeben.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, es gehe um einen nicht bewiesenen Vorwurf. Demnach war der Fall, der sich im März zugetragen haben soll, erst im Mai bekanntgeworden worden. Der Hinweis sei nicht von der Elfjährigen selbst, sondern von den Eltern gekommen. “Die Geschichte krankt bisher daran, dass wir keine Aussage von ihr haben, weil sie keine Angaben macht.” Das erschwere die Aufarbeitung massiv. Die Voraussetzungen für einen Haftbefehl für Ali B. seien nicht vorhanden gewesen. Den Polizeipräsidenten nahm der Sprecher in Schutz. Mit Sicherheit habe es sich bei seiner Aussage nicht um Bosheit oder einen Trick gehandelt. “Das würde keinen Sinn machen.”

Rund 150 Menschen bei stillem Gedenken an tote Susanna

19.12 Uhr: Mit einem stillen Gedenken haben rund 150 Menschen in Mainz nach dem gewaltsamen Tod der 14-jährigen Susanna ein Signal der Trauer und des Miteinanders setzen wollen. Mainzer Bürger, Vertreter von Gewerkschaften, Kirchen und Politik versammelten sich am Montag in der Innenstadt auf Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), einige zündeten Kerzen an. Dabei waren auch Mitschüler von Susanna.

“Wir sind sehr traurig”, sagte der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). “Diese Tat ist so brutal und unmenschlich, dass uns der Atem stockt.” Das Zeichen sei, in Mitmenschlichkeit zusammenzustehen und nicht den Rechtsstaat infrage zu stellen.

Bundesregierung erleichtert über Abschiebung von Ali B.

13.44 Uhr: Die Bundesregierung hat die Abschiebung des im Fall Susanna tatverdächtigen Ali B. aus dem autonomen kurdischen Nordirak begrüßt. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag, man sei erleichtert darüber, dass der Tatverdächtige nun in Deutschland den zuständigen Behörden vorgeführt werde.

“Das Vorgehen diente dem Ziel, einen dringend Tatverdächtigen hierher zu holen – und zwar in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden.” Die Entscheidung zur Abschiebung sei von der kurdischen Autonomieregierung in Erbil getroffen worden, sagte Seibert.

Das Bundesinnenministerium (BMI) legte Wert auf die Feststellung, Ali B. sei abgeschoben und nicht ausgeliefert worden. Eine Sprecherin des BMI bestätigte, dass der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, persönlich in den von Kurden regierten autonomen Nordirak geflogen sei, um den Verdächtigen abzuholen. Weder Romann noch ein anderer Bundespolizist habe das Flugzeug dabei verlassen.

Der Einsatz sei “komplett” von der Bundespolizei ausgeführt worden, sagte die Sprecherin weiter. Romann sei nicht auf Geheiß des Innenministers nach Erbil geflogen. Nach einem Bericht der “Bild“-Zeitung hatte es Widerstand aus dem Auswärtigen Amt und dem Justizministerium gegen den Einsatz gegeben.

Zeugenvernehmungen und Suche nach Papieren von Ali B.

11.36 Uhr: Die Ermittlungen im Fall des getöteten Mädchens Susanna konzentrieren sich auf den Abgleich der Aussagen des Tatverdächtigen Ali B. und die Vernehmung weiterer Zeugen. Es werde auf Hochtouren an der Auswertung der umfangreichen Angaben des 20-Jährigen gearbeitet, sagte am Montag die Sprecherin der Wiesbadener Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Christina Gräf.

Der Iraker hatte in einer fast sechsstündigen Vernehmung vor dem Wiesbadener Amtsgericht gestanden, die 14-Jährige umgebracht zu haben. Er sitzt in Frankfurt in Untersuchungshaft.

Neue Erkenntnisse zu dem zeitweise zweiten Tatverdächtigen, einem 35 Jahre alten Türken, habe es durch die Vernehmung von Ali B. nicht gegeben, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Mann werde aber immer noch als Beschuldigter geführt. Das Ermittlungen gegen ihn seien noch nicht abgeschlossen.

Die Ermittlungen konzentrierten sich auch darauf, an Papiere des Irakers heranzukommen, sagte Gräf. Ali B. war ohne Dokumente vermutlich im Oktober 2015 mit dem damals großen Flüchtlingsandrang über die Türkei und Griechenland nach Deutschland eingereist. Auch sein Alter müsse überprüft werden.

Verwandte von Susannas mutmaßlichem Mörder: Er war ängstlich und feige

Montag, 11. Juni, 0.45 Uhr: Ali B. stammt aus dem Irak und lebte dort in Zhako, einer Stadt mit 350.000 Einwohnern. Die „Bild“-Zeitung hat dort mit Verwandten des mutmaßlichen Mörders gesprochen. Dem Bericht nach lebt Alis engere Familie dort in ärmlichen Verhältnissen. Ihre Hütte aus Beton ist nur mit einem Wellblechdach bedeckt. Die Armut war wohl auch der Grund für die Flucht. Ein Onkel von Ali B. sagte der Zeitung: „Sie wollten schon seit zwanzig Jahren weg aus Zakho, ihnen ging es nicht gut. Sie wollten hier einfach weg, weil es hier keine Arbeit gab.“

Der Onkel hingegen lebt in einem der besseren Viertel der Stadt und Ali habe ihn regelmäßig dort besucht. „Ali war früher so schüchtern, blieb lieber auf dem Hof und traute sich nicht auf die Straße, um mit den anderen Kindern zu spielen. Wenn es dunkel wurde, hatte er sogar Angst, allein über den Flur auf die Toilette zu gehen“, zitiert ihn die „Bild“-Zeitung.

Dass Ali B. sehr ängstlich war, bestätigt auch einer seiner Cousins: „Er war richtig feige, was Mädchen anbelangte. Deshalb haben wir ihn gar nicht mehr mitgenommen, wenn wir ausgingen. Ich glaube nicht, dass er jemals eine Freundin gehabt hat.“

Zur Schule ging Ali dem Bericht nach nur bis zur siebten Klasse. „Ali servierte dann Tee für die Soldaten in der Grenzstation, wo auch sein Vater arbeitete. Sein einziges Hobby war Fußballspielen“, erzählt der Onkel der „Bild“-Zeitung.

Ali B. hat Mord an Susanna gestanden

21.20 Uhr: Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn von der Staatsanwaltschaft Wiesbaden erklärt in einem Statement, dass Ali B. den Mord an Susanna während einer Vernehmung gestanden hat. Eine Vergewaltigung hat Ali B. jedoch bestritten. Als Motiv habe Ali B. angegeben, “aufgrund von Verletzungen im Gesicht von Susanna, die in Folge eines Sturzes entstanden sein sollen, befürchtet habe, dass sie die Polizei verständigen werde”, so Kuhn.

Diese Angaben habe der 20 Jahre alte Iraker noch in der Nacht zum Sonntag in einer polizeilichen Vernehmung gemacht und in einer Anhörung der Ermittlungsrichterin am Sonntag bestätigt. Die Aussage am Sonntag dauerte demnach “nahezu sechs Stunden”. Die Amtsrichterin ordnete Untersuchungshaft an. Ali B. wurde daraufhin mit einem Hubschrauber in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Ali B. kommt in U-Haft

20.35 Uhr: Der Hauptverdächtige im Fall der getöteten 14-jährigen Susanna kommt in Untersuchungshaft. Das habe die Ermittlungsrichterin angeordnet, teilte die Polizei Westhessen am Sonntagabend auf Twitter mit. Der 20 Jahre alte Iraker Ali B. hatte zuvor stundenlang im Wiesbadener Polizeipräsidium ausgesagt. Ein Dolmetscher war hinzugezogen worden. Der Verdächtige werde nun in eine Justizvollzugsanstalt gebracht, hieß es. “Der Transport erfolgt nach Beurteilung der Lage erneut mit unserem Polizeihubschrauber.”

Verdächtiger Ali B. sagt vor Haftrichterin umfassend aus

17.11 Uhr: Der Verdächtige im Fall der getöteten Susanna hat sich bei seiner Haftprüfung nach dpa-Informationen umfassend geäußert. Der 20 Jahre alte Ali B. ist am Sonntagnachmittag im Wiesbadener Polizeipräsidium mehrere Stunden lang von einer Amtsrichterin vernommen worden, die über die Untersuchungshaft entscheiden sollte. Ein Ergebnis wurde zunächst nicht mitgeteilt. Die Vernehmung hatte verspätet begonnen, zudem wurde ein Dolmetscher hinzugezogen.

Der Iraker hatte die Nacht im Wiesbadener Polizeigewahrsam verbracht, nachdem ihn ein Polizeihubschrauber am Frankfurter Flughafen abgeholt hatte. Bundespolizisten hatten Ali B. am Samstag an Bord einer Lufthansa-Maschine aus der nordirakischen Stadt Erbil zurück nach Deutschland gebracht. Der Iraker steht im Verdacht, die am Mittwoch in Wiesbaden tot gefundene Susanna F. in der Nacht vom 22. zum 23. Mai vergewaltigt und getötet zu haben.

Falls Ali B. in Untersuchungshaft kommt, soll er möglicherweise in das Männergefängnis Frankfurt I gebracht werden. Dort könne er im Fall einer Suizidgefährdung besser überwacht werden, hieß es in Ermittlerkreisen. Üblicherweise werden junge Untersuchungshäftlinge in der JVA Wiesbaden untergebracht.

Elitepolizisten kamen, als er schlief – so lief Ali B.s Festnahme im Irak ab

15.47 Uhr: Die „Bild“-Zeitung berichtet über Details zu Ali B.s Festnahme im Nordirak. Demnach nahm eine kurdische Eliteeinheit B. im Innenhof eines Hauses fest, als dieser schlief. „Ich habe ihn gepackt und wir haben ihn zusammen ins Auto getragen“, sagte einer der Polizisten dem Blatt. Erst im Auto sei B. „so richtig wach geworden“ und habe gefragt, was los sei. „Er dachte, er wäre entführt worden.“ Die Einheit habe B. in ein Gefängnis in Dohuk gebracht, wo er fotografiert worden und einem Haftrichter vorgeführt worden sei. Nach Darstellung der örtlichen Polizei soll B. die Tat vor dem Haftrichter gestanden haben.

B. wurde anschließend von kurdischen Sicherheitskräften an Einsatzkräfte der Bundespolizei übergeben. Mit an Bord in der Lufthansa-Maschine Richtung Deutschland seien auch in zivil gekleidete Beamte der Eliteeinheit GSG9 gewesen, wie die “Bild“-Zeitung berichtet. B. sei während des Fluges nicht fixiert gewesen, wie es sonst in ähnliche Fällen üblich sei, habe jedoch Handschellen getragen.

Haftrichterin erwartet Tatverdächtigen Ali B.

Sonntag, 10. Juni, 9.20 Uhr: Der Verdächtige im Fall der getöteten Susanna muss am Sonntag zur Haftrichterin. Es sei vorgesehen, Ali B. im Laufe des Tages der Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Wiesbaden vorzuführen, hatte das Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden mitgeteilt. Für weitere Auskünfte verwies ein Sprecher im Lagezentrum am Sonntagmorgen auf die Pressestelle, die erst am Vormittag zu erreichen sein sollte.

In Wiesbaden war der 20-jährige Iraker die Nacht über in Gewahrsam, nachdem ihn ein Polizeihubschrauber am Frankfurter Flughafen abgeholt hatte. Bundespolizisten hatten Ali B. am Samstag an Bord einer Lufthansa-Maschine aus der nordirakischen Stadt Erbil zurück nach Deutschland gebracht. Der Iraker steht im Verdacht, die am Mittwoch in Wiesbaden tot aufgefundene Susanna F. in der Nacht vom 22. zum 23. Mai vergewaltigt und getötet zu haben.

Die Ermittler der Kriminalpolizei bitten weiterhin um Zeugenhinweise aus der Bevölkerung. Sie haben ein Callcenter mit mehreren Polizisten eingerichtet, das bis auf Weiteres rund um die Uhr besetzt sein soll. Gesucht werden demnach Zeugen, die am 22. und 23. Mai verdächtige Beobachtung in Wiesbaden-Erbenheim gemacht haben, wo später Susannas Leiche gefunden wurde.

Bundespolizei-Chef: “Ali B. wollte sich in Nachbarland des Irak absetzen”

21.28 Uhr: Wie der Chef der Bundespolizei Dieter Romann der “Bild” sagte, hatte Ali B. angeblich vor seiner Festnahme vor, aus dem Irak zu flüchten. “Die kurdischen Sicherheitsbehörden konnten den mutmaßlichen Täter gestern früh um 5.20 Uhr in letzter Sekunde vorläufig festnehmen. Der Tatverdächtige hatte vor, sich in ein Nachbarland des Irak abzusetzen”, zitiert die Zeitung den Behördenchef.

Weiter berichtet die “Bild”, dass Vertreter der kurdischen Regionalregierung Romann nach der Festnahme um eine Abschiebung nach Deutschland gebeten hätten. Romann und seine Beamten seien dann in den Irak gereist und hätten Ali B. im Flieger in Empfang genommen. Die Polizisten hätten kurdischen Boden nie betreten.

Weiter zitiert die Zeitung den Polizeichef mit den Worten: “Diesen außergewöhnlichen Einsatz der Bundespolizei in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den kurdischen Sicherheitsbehörden sind wir auch der Mutter des toten Kindes schuldig.”

Polizeihubschrauber bringt Ali B. zu Polizeistation

21.25 Uhr: Ali B. ist mit einem Polizeihubschrauber vom Flughafen zur Polizeistation gebracht worden

20.55 Uhr: Wie “Wiesbadenaktuell” berichtet, muss in der Stadt mit eventuellen Straßensperren gerechnet werden. Zudem sei mit einem erhöhten Aufgebot von Sicherheitskräften zu rechnen.

20.36 Uhr: Ali B. ist offenbar zurück in Deutschland. Die Lufthansa-Maschine, in der sich der mutmaßliche Mörder von Susanna befunden haben soll, ist in Frankfurt am Main gelandet. Die “Bild”-Zeitung hatte zuvor berichtet, dass auch der Bundespolizei-Chef Dieter Romann die Überführung aus dem Irak nach Deutschland an Bord begleitet haben soll.

Wie “Wiesbadenaktuell.de” berichtet, soll Ali B. ins Polizeipräsidium Westhessen verbracht werden. Unklar sei, ob ein SEK-Team oder ein Polizeihubschrauber ihn dort hinbringe.

Merkel verurteilt “abscheulichen” Mord an Susanna

18.36 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich auf Nachfrage beim G-7-Gipfel in Kanada zum Fall Susanna geäußert. Sie sprach von einem “abscheulichen Mord, der viele sehr tief erschüttert hat – auch mich.” Weiter sagte Merkel: “Das unfassbare Leid, dass der Familie und dem Opfer widerfahren ist, bewegt jeden und erfasst auch mich.”  Wenn die Tat bewiesen sei, müsse die Justiz “mit aller Klarheit ein Urteil sprechen”. Es sei “gut, dass der mutmaßliche Täter gefasst ist”, sagte Merkel weiter. Sie lobte die Zusammenarbeit mit den irakischen Behörden, die gut funktioniert habe.

Vernehmung noch in der Nacht

17.37 Uhr: Ali B. soll nach dpa-Informationen gleich nach seiner Rückkehr nach Deutschland vernommen werden. Die erste Vernehmung sei noch für die Nacht geplant, am Sonntag werde er dann dem Haftrichter vorgeführt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Samstag. Dann werde ihm der Haftbefehl eröffnet. Zuständig für die Vernehmung ist demnach das Polizeipräsidium Westhessen mit Sitz in Wiesbaden.

Ali B. verließ die nordirakische Stadt Erbil am Samstagnachmittag in einer Maschine nach Frankfurt am Main, wie es aus Kreisen des Internationalen Flughafens hieß. Eine offizielle Bestätigung der kurdischen Sicherheitsbehörden im Nordirak gab es zunächst nicht. Kurdischen Ermittlern zufolge hat Ali B. die Tötung des 14-jährigen Mädchens aus Mainz gestanden. Er soll die am Mittwoch in Wiesbaden tot aufgefundene Susanna F. in der Nacht vom 22. auf 23. Mai vergewaltigt und getötet haben.

Chef der Bundespolizei im Irak

16.29 Uhr: Wie die “Bild” berichtet, soll der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, selbst in den Irak geflogen sein, um mit seinen Beamten Ali B. in Empfang zu nehmen und nach Deutschland zu überführen.

Mutter von Ali B. spricht

16.00 Uhr: Die Mutter von Ali B. hat sich gegenüber der “Deutschen Welle” zur mutmaßlichen Tat ihres Sohnes geäußert. Sie sagte, ihr Sohn könne sich nicht an die Tat erinnern, weil er betrunken gewesen sei. Demnach erfuhr die Familie erst durch die Verhaftung im Irak und durch Nachrichten im Internet von den Vorwürfen gegen den jungen Mann.

“Das ist schwer zu glauben, das kann doch alles nicht wahr sein”, sagte Kalida M. der “Deutschen Welle”, die nach eigener Aussage nichts von einer Auslieferung weiß. “Ich will nicht, dass mein Sohn in einem fremden Land bestraft wird. Wenn er wirklich schuldig ist, dann soll er hier in seinem eigenen Land bestraft werden.”

Zur hastigen Ausreise der Familie erklärte die Mutter, diese habe nicht das Ziel gehabt, ihren Sohn vor der Strafverfolgung zu bewahren. Ihr schwer kranker Mann habe den Wunsch gehabt, Deutschland schnell zu verlassen, damit er in der Heimat in Frieden sterben könne. “Ich wollte nicht, dass er im Ramadan in der Fremde stirbt und ich dann ein schlechtes Gefühl habe”, so Kalida M..

Ali B. reiste doch im Flugzeug in den Irak

15.24 Uhr: Die kurdischen Behörden haben ihre Angaben korrigiert. Nach Angaben eines lokalen Polizeioffiziers kam Ali B. offensichtlich doch mit dem Flugzeug in den Irak. Das sagte Polizeioffizier Tarik Ahmed am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Er korrigierte damit frühere Informationen lokaler Sicherheitskräfte, wonach Ali B. über den Landweg in den Irak eingereist sei. Die kurdische Polizei sei zunächst davon ausgegangen, sagte Ahmed. Bei weiteren Ermittlungen habe sich dies jedoch als falsch erwiesen.

Bei seiner Einreise am Flughafen Erbil sei Ali B. noch nicht zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, so dass den lokalen Sicherheitskräften keine Informationen vorgelegen hätten. Nach den ersten Informationen aus Deutschland sei ein Fahndungsteam gebildet worden, das Ali B. innerhalb von sieben Stunden am Freitagmorgen in der Stadt Zakho festgenommen habe.

Tatverdächtiger wurde von der eigenen Familie verraten

14.38 Uhr: Ali B. wurde offenbar von der eigenen Familie verraten. Das berichtet die “Bild“-Zeitung. Der Polizeichef des irakischen Dohk sagte der Zeitung, dass er vom kurdischen Innenministerium ein Foto des Tatverdächtigen erhalten habe. Daraufhin habe er eine Anti-Terror-Einheit zusammengestellt. Auch der interne Geheimdienst sei auf Ali B. angesetzt worden. Die Beamten machten dem Bericht zufolge Verwandte von Ali B. ausfindig. Von der Familie erfuhren sie dann schließlich den Aufenthaltshort des Verdächtigen.

Sicherheitskreise: Ali B. über Land in den Irak eingereist

13.42 Uhr: (Berichtigung: Inzwischen hat die Polizei die Angaben korrigiert. Ali B. reiste nicht über den Landweg ein.) Der Tatverdächtige im Fall der 14-jährigen Susanna ist nach Angaben lokaler Sicherheitskräfte über Land in den Nordirak eingereist. Er habe den Übergang Ibrahim Chalil an der Grenze zur Türkei passiert und sei am Freitagmorgen in der nahe gelegenen Stadt Zakho festgenommen worden, hieß es am Samstag aus kurdischen Sicherheitskreisen. Demnach erhielten die kurdischen Sicherheitskräfte im Nordirak vorab die Information, dass Ali B. einreisen wolle. Sieben Stunden später sei er festgenommen worden.

Auch vom internationalen Flughafen in der Stadt Erbil hieß es, der Verdächtige sei nicht über den Airport ins Land gekommen. Der tatverdächtige Iraker soll mit seiner Familie zunächst von Düsseldorf nach Istanbul geflogen sein.

Tatverdächtiger soll Samstagabend wieder in Deutschland landen

10.40 Uhr: Ali B. soll offenbar schon am Samstagabend wieder in Deutschland landen. Nach Informationen des “Wiesbadener Kuriers” und der “Allgemeinen Zeitung Mainz” werde er ausgeliefert und lande am Abend am Frankfurter Flughafen. Dem Bericht zufolge werde der Tatverdächtige in Gewahrsam der Bundespolizei aus dem Irak nach Frankfurt gebracht. Er hatte sich zuvor in den Irak abgesetzt und war in der Nacht zum Freitag von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen worden.

Ali B. gesteht Mord an der 14-jährigen Susanna

Samstag, 9. Juni, 10.24 Uhr: Der im Irak festgenommen Ali B. hat den Mord an der 14-jährigen Susanna gestanden. Das berichtet die “Bild“-Zeitung unter Verweis auf ein Interview des Polizeichefs im irakischen Dohuk. Der 20-Jährige habe von einem Streit zwischen ihm und der Teenagerin gesprochen. In dessen Folge sei es zur Tat gekommen, so General Tarek Ahmed

21.21 Uhr: Die Festnahme Ali B.s im Irak erfolgte durch kurdische Sicherheitskräfte. Nun werden neue Details bekannt. Laut “Bild” hätten Spezialkräfte des kurdischen Innenministeriums den Verdächtigen bei seiner Familie in Zakho, im Norden Iraks, festgenommen. Die Einheit habe Ali B. zunächst observiert, bis dieser schlief. Dann habe man den Zugriff gestartet. Nun befinde er sich in einer abgeschotteten Zelle in Erbil, heißt es in dem Bericht.

Kein Verfahren im Irak möglich

14.49 Uhr: Nach der Festnahme von Ali B. könnte es kompliziert werden. “Wir haben wenig Erfahrung, wie sich der Irak in so einer Lage verhält”, sagte eine Sprecherin der in dem Fall verantwortlichen Staatsanwaltschaft am Freitag.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte zuvor mitgeteilt, dass Ali B. im Irak festgenommen worden sei. Er kündigte an: “Das mit der Auslieferung läuft jetzt nach den internationalen Regeln.”

Die Bundesrepublik hat keine Auslieferungsabkommen mit dem Irak. Die dortigen Behörden sind daher nicht vertraglich zu einer Auslieferung verpflichtet. Der Antrag auf Auslieferung müsse laut der Sprecherin über die Generalstaatsanwaltschaft gestellt werden. Die Staatsanwaltschaft in Wiesbaden teilte FOCUS Online mit, dass ein Auslieferungsgesuch gestellt werden solle.

Dass der Tatverdächtige sich als irakischer Bürger in seinem Heimatland für den Tod der 14-Jährigen zu verantworten habe, sei rechtlich nicht möglich. “Im Irak droht ihm die Todesstrafe. Wir können daher keinen Strafverfolgungsantrag stellen”, sagte die Sprecherin.

Ali B. wurde im Nordirak festgenommen

12.50 Uhr: Wie Horst Seehofer auf einer Pressekonferenz mitteilte, wurde der Verdächtige Ali B. im Mordfall Susanna im Nordirak festgenommen. Er erklärte: “Der im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an Susanna F. beschuldigte Ali B. ist heute Nacht, am 8. Juni 2018, gegen 2.00 Uhr durch kurdische Sicherheitsbehörden im Nordirak auf Bitten der Bundespolizei festgenommen worden.” Seehofer fügte hinzu: “Das mit der Auslieferung läuft jetzt nach den internationalen Regeln.”

Seehofer erklärte zudem: “Ich danke den beteiligten kurdischen Sicherheitskräften, dass diese die Verhaftung möglich gemacht haben. Dieser Erfolg ist Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen den kurdischen Sicherheitsbehörden im Irak und der deutschen Bundespolizei.”

Noch keine entscheidenden Hinweise nach Zeugenaufruf

12.18 Uhr: Im Fall der getöteten Susanna sind die Ermittler nach einem Zeugenaufruf und öffentlicher Fahndung noch nicht weitergekommen. Im Call-Center seien zwar Hinweise eingegangen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag in Wiesbaden. Diese hätten die Beamten aber bisher nicht entscheidend weitergebracht.

Auch die Staatsanwaltschaft konnte am Freitag keine neuen Erkenntnisse bekanntgeben. Das schriftliche Obduktionsergebnis und die DNA-Analysen lägen noch nicht vor, sagte eine Sprecherin. Es sei auch unklar, ob man wegen der langen Liegezeit der Leiche überhaupt noch verwertbares DNA-Material finden könnte.

Bundespolizei äußert sich zur Ausreise von Ali B.

11.15 Uhr: Trotz unterschiedlicher Namen in den Ausweispapieren und auf der Bordkarte konnte Ali B., der die 14-jährige Susanna in Wiesbaden vergewaltigt und getötet haben soll, ungehindert in die Türkei fliegen. Bei der grenzpolizeilichen Ausreisekontrolle sei ein Abgleich von Flugticket und Pass nicht vorgesehen, teilte die Bundespolizei am Freitag in Potsdam mit. Im Rahmen der Luftsicherheitskontrolle sei ein derartiger Abgleich ebenfalls “derzeit rechtlich nicht möglich”.

Den Beamten der Bundespolizei wurden am Düsseldorfer Flughafen zwei irakische sogenannte Laissez-Passer-Dokumente mit je vier Namen und acht deutsche Aufenthaltsgestattungen von Ali B. und seinen mitreisenden Familienangehörigen gezeigt. “Die vorgelegten Dokumente waren echt, gültig und berechtigten zur Ausreise. Die Lichtbilder stimmten mit den Personen überein”, hieß es. Zu diesem Zeitpunkt löste der Name von Ali B. keinerlei Alarm aus: Er wurde erst zwei Tage später als Tatverdächtiger im Fall Susanna zur Fahndung ausgeschrieben.

Minister Pistorius warnt vor “Spaltpilzdebatte” im Fall Susanna

09.51 Uhr: Nach der Tötung der 14-jährigen Susanna warnt Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius vor Verallgemeinerungen. “Das ist ein schreckliches Verbrechen, die Tat eines Einzelnen”, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Quedlinburg am Rande eines Treffens mit seinen Länderkollegen. “Und wir müssen uns davor hüten, daraus eine gesellschaftliche Spaltpilzdebatte entstehen zu lassen, weil das gefährlich ist für unser Zusammenleben.”

Man dürfe nicht “falsche Schlüsse auf ganze Bevölkerungs- oder Flüchtlingsgruppen” ziehen. Gleichwohl gebe es Aufklärungsbedarf, so Pistorius. “Wie konnte es passieren, dass dieser Iraker, der mutmaßliche Tatverdächtige, einfach so ausreist, mit einem Namen, der nicht mit dem auf dem Ticket übereinstimmt – wenn das denn stimmt”, fragte Pistorius. Er zweifelte daran, dass die Sicherungssysteme an den Flughäfen funktionierten.

Politiker fordern Aufklärung

Freitag, 8. Juni 2018, 08.25 Uhr: SPD-Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider forderte, dass schnell geklärt werden müsse, “wie der Tatverdächtige entkommen konnte – und wie er möglichst schnell in Deutschland vor Gericht gestellt werden kann.” CDU-Innenpolitiker Armin Schuster sprach sich für ein konsequentes Durchgreifen der Justiz in dem Fall aus. Zudem sagte er der “Neuen Osnabrücker Zeitung”: “Man fragt sich, warum der Tatverdächtige, nachdem er bereits derart gewalttätig polizeilich in Erscheinung getreten war, nicht längst in Untersuchungshaft war?”

Mutter erhielt Nachricht am Abend des Verschwindens

19.11 Uhr: Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, erhielt die Mutter von Susanna am Abend ihres Verschwindens, dem 22. Mai, eine Nachricht per WhatsApp, die nicht zum üblichen Schreibstil ihrer Tochter gepasst habe: “Mama, ich komm nicht nach Haus. Ich bin mit meinem Freund in Paris. Such mich nicht. Ich komm nach zwei oder drei Wochen. Bye.”, zitiert etwa die “Welt” die Nachricht.

Fall Susanna: Tatverdächtiger wieder freigelassen

19.21 Uhr: Einer der Tatverdächtigen im Fall der ermordeten Susanna in Wiesbaden ist wieder auf freiem Fuß. Wie Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn am Donnerstagabend in Frankfurt sagte, besteht nach neuesten Ermittlungserkenntnissen kein dringender Tatverdacht mehr gegen den 35-jährigen Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit. Er habe das Justizgebäude bereits wieder verlassen und könne sich frei bewegen. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler nun durch die Obduktion der Leiche der 14-Jährigen und der Auswertung von DNA-Spuren.

Zunächst waren die Ermittler davon ausgegangen, dass zwei Männer Susanna in Wiesbaden vergewaltigt und ermordet haben und nahmen den Flüchtling fest. Der andere Verdächtige, ein 20 Jahre alter irakischer Flüchtling, ist auf der Flucht. Ali B. wird im Irak vermutet. Er stehe weiterhin in dringendem Tatverdacht, sagte Kuhn.

Zwei Wochen war nach Susanna gesucht worden. Ihre Leiche war dann in einem Erdloch in einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden gefunden worden.

17.33 Uhr: Der Aufbruch der Familie des tatverdächtigen 20 Jahre alten Iraker sei vielen in der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden aufgefallen, wie die “Frankfurter Allgemeine” berichtet. Auf die Frage, wohin sie denn wollen, antwortete die Mutter von Ali B., sie würden Urlaub in Berlin machen.

Der tatverdächtige 20 Jahre alte Iraker war vermutlich am vergangenen Donnerstag abgereist, berichtete der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller. Die Familie aus Vater, Mutter und sechs Kindern habe zuletzt zusammen in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden gelebt. Sie sei nach bisherigen Erkenntnissen von Düsseldorf aus nach Istanbul und von dort aus weiter ins irakische Erbil geflogen.

Susanna soll Bruder des Tatverdächtigen gekannt haben

16.12 Uhr: Susanna soll sich öfter in der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim aufgehalten haben und den Bruder des tatverdächtigen Irakers näher gekannt haben, sagte der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller. Es ist somit auch nicht auszuschließen, dass die 14-Jährigen den Hauptverdächtigen Ali B. kannte.

Zentralrat der Juden: Mordopfer Susanna war Jüdin

15.08 Uhr: Das getötete 14-jährige Mädchen Susanna war Jüdin. Der Zentralrat der Juden in Deutschland bestätigte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ entsprechende Informationen. Ihre Familie gehört demnach der Gemeinde in Mainz an.

13.36 Uhr: Vergewaltigung, Raub, Anspucken einer Polizistin – dem 20-jährigen Hauptverdächtigen Ali B. werden verschiedene Delikte zur Last gelegt. Die Strafakte des mutmaßlichen Täters haben wir hier zusammengefasst.

Die Pressekonferenz der Polizei im Protokoll:

12.05 Uhr: Die Polizei beendet die Pressekonferenz.

12.03 Uhr: Angaben zur Familie des Opfers werden aus Opferschutzgründen nicht gemacht.

12.00 Uhr: Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die Susanna zwischen dem 22. und 23. Mai mit dem mutmaßlichen Täter Ali B. und des weiteren Tatverdächtigen gesehen haben.

11.56 Uhr: B. kam im Herbst 2015 nach Deutschland. Er beantragte später Asyl auf subsidiären Schutz. Der Türke soll Kurde sein und kam im vergangenen Jahr nach Gießen.

Mutmaßlicher Täter aus dem Irak hat offenbar Doppelidentität

11.53 Uhr: Ali B. war den Behörden schon bekannt. Er soll im April vorigen Jahres Frauen beleidigt haben und in eine Schlägerei verwickelt worden sein. Auch in diesem Jahr gibt es mehrere Vorfälle. Im März rempelte er eine Stadtpolizistin an und bespuckte sie, in Kürze soll das Verfahren gegen B. eröffnet werden. Zudem soll er im Frühjahr schon ein elfjähriges Mädchen vergewaltigt haben. Die Ermittlungen dazu dauern noch an. Zudem laufe ein Verfahren wegen Raubes gegen B.

11.48 Uhr: Inzwischen ist klar, dass die insgesamt achtköpfige Familie des Irakers am 2. Juni überhastet abreiste – und zwar von Düsseldorf um 19.10 Uhr nach Istanbul. Kurios ist, dass die Familie offenbar eine Doppelidentität hatte. Denn in der Flüchtlingsunterkunft wurde sie unter anderen Namen geführt als jenen, unter denen sie ausreisten. Die Reisedokumente seien von irakischen Behörden ausgestellt, so die Polizei. Ein Abgleich zwischen den Identitäten der Reisenden “hat nicht stattgefunden”, so Polizeipräsident Müller.

11.44 Uhr: Am Sonntag soll ein 13-jähriger Flüchtling die Polizei über den Tod des Mädchens und den mutmaßlichen Täter informiert haben. Der Junge wurde von der Polizei verhört. Von Montag bis Mittwoch hat die Polizei mit bis zu 400 Beamten nach der Leiche des Mädchens in Wiesbaden-Erbenheim gesucht. Am Nachmittag des 6. Juni wurde Susannas Leiche an einem Bahnübergang unter Gräsern und Holz gefunden.

11.41 Uhr: Die Vermisstenanzeige wurde einen Tag nach dem Verschwinden des Mädchens in Mainz von der Mutter am 23. Mai aufgegeben, erklärt die Polizei. Die Polizei Wiesbaden hat den Fall am 30. Mai übernommen und spricht von “keinem einfachen Fall”. Das Opfer soll seit mehreren Wochen nicht mehr zur Schule gegangen sein und sich an verschiedenen Orten aufgehalten haben – oftmals auch in der Innenstadt in Wiesbaden.

11.36 Uhr: Es gibt insgesamt zwei Tatverdächtige – ein 20-jähriger Iraker namens Ali B., nach dem gefahndet wird, sowie ein 35-jähriger türkischer Staatsangehöriger, der bereits gefasst wurde. Beide sollen die 14-Jährige vergewaltigt und getötet haben. Anschließend wurde sie an einen anderen Ort gebracht. Beide Männer sollen in einer Flüchtlingsunterkunft gewohnt haben.

11.34 Uhr: Der leitende Oberstaatsanwalt Achim Thoma teilt zu Beginn mit, das es sich zweifelsfrei um Susanna Feldmann handelt. Die DNA-Analyse habe eine 100-prozentige Übereinstimmung ergebe. Todesursache war demnach eine Gewalteinwirkung auf den Hals.

11.30 Uhr. Die Pressekonferenz beginnt.

11.26 Uhr: Die Pressekonferenz soll um 11.30 Uhr im hessischen Justizministerium in Wiesbaden beginnen.

Seit dem 22. Mai verschwunden

Susanna war am 22. Mai mit Freunden in der Wiesbadener Innenstadt unterwegs gewesen und abends nicht wie abgesprochen nach Hause zurückgekommen. Die Polizei hatte zwischenzeitlich von Hinweisen berichtet, dass das Mädchen womöglich in Begleitung unterwegs und auf dem Weg ins Ausland sei.

Quelle: https://www.focus.de/panorama/welt/wiesbaden-verwandte-ueber-ali-bashar-er-war-aengstlich-und-feige_id_9053421.html

 

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