Bericht eines Integrations-Lehrers

Die vielfältigen Reaktionen auf meinen ersten Artikel über meine Arbeit als Deutschlehrer für Migranten bestärken mich, noch einmal zur Feder zu greifen und über weitere Vorkommnisse und Beobachtungen zu berichten.

Gerade auch deshalb, weil es sich hier nur um die Darstellung von Fakten handelt und nicht, wie seinerzeit einer der Kommentatoren schrieb, um rechte Propaganda, beziehungsweise sogenannte „hatespeech“. Mögen meine Zeilen dazu beitragen, dass sich möglichst viele Integrationshelfer und Mitarbeiter einer inzwischen gewaltigen Asylindustrie endlich bemüßigt fühlen, nicht länger schweigend nur ihrer Arbeit nachzugehen, sondern die Stimme zu erheben und die Fakten zu benennen: Die Integration, so wie sie propagiert wird, funktioniert nicht. Wir erleben es doch täglich! Wieso die Augen verschließen, nur weil es alle anderen tun?

Und noch eins soll hier nicht unerwähnt bleiben. Wenn hier uns erschütternde Beobachtungen über Menschen beschrieben werden, richtet sich das nicht gegen diese, sondern gegen ein System, das sie unbedacht hier einführt, um die Interessen einiger Ideologen umzusetzen! Die Sozialisation der Migranten ist sicherlich kompatibel mit dem System ihrer Herkunftsländer. Denn wer soll einmal Syrien wieder aufbauen? Wer die Wirtschaft Eritreas voranbringen?

In den Deutschklassen lasse ich die Teilnehmer im Rahmen der Prüfungsvorbereitung regelmäßig über erlernte Berufe, Ausbildungen und Studium sprechen. Im Herbst 2015 gab es durchaus einige Studierte unter den Neuangekommenen aus der islamischen Welt. Inwieweit ihre Abschlüsse mit den unsrigen kompatibel sind, wage ich aber nicht zu beurteilen. Doch die Zahl solcher nahm stetig ab. Die meisten über 30-jährigen hatte Berufe wie Taxifahrer, Schneider, Koch, Fliesenleger, Elektriker, Automechaniker oder Kraftfahrer. Und dann gibt es noch die jüngeren, die meist keinerlei Berufsausbildung haben. Übrigens sprechen auch nur sehr wenige Englisch, was die Kommunikation, gerade in den ersten Wochen der Kurse, erschwert.

Lieber in die Fahrschule

Eine weitere Beobachtung ist, dass das generelle Leistungsniveau der Klassen kontinuierlich abnimmt. Unter allen Lehrern unserer Schule herrscht hierüber Einstimmigkeit. Mittelfristig, so geht inzwischen das Gerücht, wird sich das Sprachniveau B1 nicht halten lassen können. Vor kurzem musste sogar ein Kurs vorfristig abgebrochen werden, da sich die B1-Stufe bis zur Prüfung unmöglich erreichen ließ. Man bedenke das bei inzwischen deutlich verbesserten Lehrmaterialien und eingespielteren Lehrern. Für die Leser, die mit dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen nicht vertraut sind, kann man das B1-Niveau als gutes Urlaubsdeutsch beschreiben. Man findet sich im Leben zurecht, kann sich verständigen aber keineswegs eine Arbeit ausüben, die mehr als nur körperlichen Einsatz verlangt. Dazu braucht man das nächsthöhere, das B2-Niveau.

Nun müsste man meinen, dass bei den Neuangekommenen ein starkes Bedürfnis nach dem Erlernen der deutschen Sprache herrsche. Dem ist aber meist mitnichten so. Von einigen Eifrigen abgesehen, vermittelt mir die Mehrheit tagtäglich den Eindruck, nur eine lästige Pflicht zu erfüllen. Das Amt hat sie geschickt. Es besteht immerhin die Gefahr, dass die Mittel gekürzt werden. Am Ende gibt es die Prüfung, die man leider auch noch bestehen muss. So findet man ständig neue Gründe, vom Unterricht abwesend sein zu können. Ein beliebter ist der Besuch der Fahrschule. Dafür kann man schon mal wochenlang fehlen. Im Brustton der Überzeugung wird die höhere Wichtigkeit dieses Vorhabens vorgetragen. Außerdem kann man die ganz auf Arabisch machen. Man braucht kein Deutsch. Übungsmaterialien und Prüfung gibt es in mehreren Sprachen. Irgendwann tauchen sie dann wieder auf, mit einem schönen Auto!

Oft reisen die Schüler in andere Städte oder gar Länder, natürlich während des Kurses. Schon mehrmals gaben dabei einige an, dass sie doch fahren müssten, da sie doch noch in einer anderen Stadt gemeldet seien und sich auch dort bei den Ämtern vorstellen müssen. Andere machen Kurzurlaub in Amsterdam, um hinterher der interessiert zuhörenden Klasse detailliert zu berichten, wie gut sich dort gewisse Bedürfnisse befriedigen lassen, und wenn sie es ganz arg treiben, zeigen sie stolz gewisse dort legal erhältlichen Substanzen.

Einer Kollegin erging es noch ärger. Einer ihrer Schüler hatte sich für einen Tag entschuldigt, um in eine andere Stadt zu reisen. Er kehrte nach zwei Wochen zurück, ein rechtskräftiges Gerichtsurteil anbei. Er hatte jemandem mit einem Messer das Gesicht zerstochen. Nun wollte er im Unterricht abwarten, was weiter geschehen würde und bestand auf seiner weiteren Anwesenheit. Glücklicherweise hielt der neuerwachte Lerneifer nicht lange und der Teilnehmer verschwand.

So als ob ihnen ständig Unrecht wiederfährt

Andere legen eine weitere Art des Eifers an den Tag. Wenn sie einige Tage oder Wochen abwesend waren, kommen sie zu mir und bestehen darauf, dass ich das Material der vergangenen Tage doch unbedingt noch einmal durchgehen müsse. Einmal sollte es ein gesamtes Buch sein. Sie sehen das als ihr gutes Recht an, beschweren sich, gehen zur Schulleitung und reden Schlechtes über mich. Meist kommt ein Mitarbeiter und fordert mich auf, der „Bitte“ stattzugeben. Im Allgemeinen sind die Teilnehmer wohlinformiert, was ihre Rechte anbelangt. Wenn man ihnen zuhört, möchte man meinen, dass ihnen ständig Unrecht widerfährt, und sie immer wieder zu kurz kommen.

Erst letzte Woche kam ein Teilnehmer wütend zu mir, seine Augen verhießen nichts Gutes, und wies mich barsch darauf hin, dass er in der Abschlussprüfung einen kurdischen oder arabischen Gesprächspartner benötige, da er ja sonst wieder durchfallen würde. Alle anderen könne man ja nicht verstehen. Da ich ernsthafte Befürchtungen um meine Gesundheit hatte, verwies ich ihn an die Schulleitung. Dies ist leider kein Einzelfall, wieder und wieder erlebe ich ähnliche Situationen. Immer meinen sie, zu kurz zu kommen. Im Nahen Osten mag solch Verhalten durchaus angemessen sein, aber wollen wir hier auch so miteinander umgehen?

Dabei kommen sie sicherlich nicht zu kurz. Von Seiten der Schule oder der Ämter wird sehr viel für das Wohl der Neuangekommenen getan! Neulich überraschte mich ein Kollege mit einem Bericht über eine Wohltat, die den Teilnehmern seines Orientierungskurses widerfuhr. Am Ende jedes Integrationskurses findet ein solcher statt. Darin lernen die Teilnehmer das politische und gesellschaftliche System Deutschlands kennen. Teil des Kurses sind mehrere Besuche bei Museen oder Ämtern. Ein solcher führte die Klasse in ein weltbekanntes Kunstmuseum in unserer Stadt. Das Interesse war nicht groß, viele Schüler kamen gar nicht erst mit. Die aber mitkamen, erhielten nicht nur eine umfangreiche Führung sondern auch je eine Familien-Jahreskarte für die Einrichtung und angeschlossene Museen im Wert von 60 Euro.

Die Teilnehmer bekommen sehr gute Lehrmaterialien. Sie sind absolut auf dem heutigen Stand der Forschung und Technik. Buch und das allzeit vorhandene Mobiltelefon lassen sich zum Lernen verbinden. Das Gerät kann die Buchseiten erkennen und Hörübungen oder kurze Videos zum jeweiligen Lernthema abspielen. Nur will meist die Hälfte der Klasse gar kein Buch haben. Sie sagen, sie hätten schon eines. Und die Schüler, die es doch kaufen, sehe ich in den Pausen sitzen und die Ergebnisse der Aufgaben für das gesamte Buch voneinander abschreiben. Nach dem Kurs wird so ein Buch auf den einschlägigen Internetauktionsseiten versteigert. Eine kurze Recherche offenbart das Ausmaß. Meist steht auch dabei: „mit Bleistift ausgefüllt“. Und so kommt es dann, dass Teilnehmer, die kaum einen kurzen deutschen Satz hervorbringen können, sämtliche Buchaufgaben immer richtig haben. Wohlgemerkt handelt es sich hier nicht um singuläre Vorkommnisse! Die deutsche Sprache erlernen ist lästige Pflicht.

Ein christlicher Syrer versteht die Deutschen nicht

Kommen wir zur Religion. In einer Klasse hatte ich einmal einen Imam zu unterrichten. Er war bemüht freundlich und gab sich sehr hilfsbereit. Ich vermied das Thema Islam. Die anderen muslimischen Teilnehmer ließen keine Gelegenheit aus, ihm Ehre zu erweisen, sie grüßten auffallend freundlich und verbeugten sich vor ihm. Mich haben sie nie so behandelt. Ob es fromme Maskerade und Pharisäertum oder echt war, wage ich nicht zu beurteilen. Der Imam und die Gläubigen haben aber sicher nicht ihr Inneres preisgegeben. Nur einmal zeigte der Imam etwas mehr. Die Teilnehmer sollten einen Dialog erarbeiten über einen Kurs, den sie bei der VHS besuchen sollten. Der Gesprächspartner des Imams erwähnte dabei die Kurskosten von 100 Euro. Sofort unterbrach Letzterer vehement, meinte, das sei viel zu teuer und dass man erst einmal herausfinden müsse, welches Amt diese Kosten übernehmen würde. Die gestellte Situation wirkte viel zu echt, um Zweifel aufkommen zu lassen. Als Multiplikator wird er in seiner Moschee viele auf solche Möglichkeiten hinweisen. Nur leider ermutigt unser System zu so etwas.

Einmal hatte ich einen älteren Syrer in der Klasse, der sich mir als katholischer Christ vorstellte, er war gebildet und hatte westliche Umgangsformen (so wie die meisten Christen aus der Region). Er kam eines Tages nach dem Unterricht zu mir und sagte mir sinngemäß, dass wir Deutschen doch verrückt seien, diese Leute ins Land zu holen. 90 Prozent seien doch potenzielle Terroristen, auch wenn sie heute friedlich seien. Die Umstände müssten nur eintreten, die „richtige“ Predigt in der Moschee kommen und dann würden die meisten bedenkenlos losschlagen.

Bleiben wir noch beim Thema. In einem anderen Kurs gab es einen Schüler namens Alaa. Da ich schon ahnte, dass es mit solch einem Namen zu Problemen kommen könnte, bemühte ich mich, den immerhin recht eifrigen Schüler wenig dranzunehmen. Als es sich nicht vermeiden ließ, bat ich ihn, den Namen deutlich auszusprechen. Vielleicht ließ sich die Klippe noch umschiffen?! Doch leider konnte ich beim besten Willen keinen Unterschied zu einem anderen für viele Menschen wichtigen Namen heraushören. Als ich den Schüler später unbedacht mit Namen ansprach, geschah es dann. Einige in der Klasse explodierten förmlich: Gotteslästerung! Der Rädelsführer war ein doppelt gemeldeter Syrer. Alaa selbst schien die Situation gleichgültig zu sein. Andere in der Klasse verteidigten mich. Es gab wüste Diskussionen, die fast zu Handgreiflichkeiten geführt hätten, wenn nicht einige in letzter Minute beschwichtigt hätten.

Überprüfung der Lehrer, nicht der Schüler

Insgesamt lernt man als Lehrer, diese Schüler härter anzufassen, als man es bei deutschen tun würde. Meist bleibt keine andere Wahl. Man muss sich täglich durchsetzen, gegen die fehlende Einsicht der Notwendigkeit des Lernens der deutschen Sprache. Kurios sind dann nur gelegentliche Bemerkungen der Teilnehmer dazu. Sie ermutigen mich geradezu, sie hart anzufassen, bedanken sich sogar dafür. Einer sagte mir einmal den Satz: „Wir Araber brauchen Diktatoren, die sind gut für uns!“

Kürzlich wurden wir Lehrer zu einer Versammlung mit der Schulleitung geladen, auf der uns mitgeteilt wurde, dass wir in nächster Zeit mit Hospitationen rechnen müssten. Jedoch geriet dieses löbliche, auf verbesserte Qualität gerichtete Ansinnen zur Farce, als ein Kollege nachfragte, ob denn nun die Schüler in Zukunft auch überprüft werden würden. (In meinem letzten Artikel berichtete ich über die teilweise recht sporadische Anwesenheit vieler Teilnehmer). Darauf folge die Mitteilung, dass weder vom  Jobcenter, der Ausländerbehörde, noch dem BAMF irgendwelche Sanktionen zu erwarten seien. Kein Teilnehmer hätte etwas zu befürchten, wenn er nicht regelmäßig am Unterricht teilnähme oder die Prüfung zum wiederholten Male nicht bestünde.

Der Name des Autors ist ein Pseudonym. Um Schwierigkeiten für ihn zu vermeiden, sind wir von unserer Praxis abgewichen, Beiträge möglichst nur mit Klarnamen zu veröffentlichen. Der Autor ist uns bekannt und seine Schilderung erscheint uns schlüssig und glaubwürdig. Dies war auch schon bei seinem ersten Beitrag der Fall, wie zahlreiche Reaktionen zeigten.

Quelle: http://www.achgut.com/artikel/bericht_eines_integrations_lehrers

Foto: Pixabay

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