Obdachlose bangen um ihr Leben

Die Meteorologen kündigen für die kommende Woche eisige Temperaturen. Obdachlosen-Initiative schlagen Alarm und warnen vor dem Kältetod, werden die Wohnungslosen weiter tagsüber auf die Straße geschickt.

Angesichts der bevorstehenden Kältewelle in Hamburg fordert das Straßenmagazin „Hinz&Kunzt“ die Öffnung des Winternotprogramms für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft. Auch am Tage müssten die beiden Notunterkünfte in der Friesenstraße und am Schaarsteinweg geöffnet bleiben.

„Die Obdachlosen tagsüber in die Kälte zu schicken, ist gefährlich“, sagte Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer am Donnerstag. Für den geschwächten Körper eines Obdachlosen könne das den Tod bedeuten. „Besonders bei der grassierenden Grippewelle“. Derzeit müssten bislang täglich 600 Obdachlose zwischen 9.30 und 17 Uhr die Unterkünfte verlassen.

Obdachlose aus Osteuropa abgewiesen

Das Magazin kritisiert, dass bisher sogar nachts Menschen an den Türen des Winternotprogramms abgewiesen worden seien. Rund 100 Obdachlose aus Osteuropa wurde demnach der Zugang verwehrt, weil sie im Herkunftsland eine Meldeadresse haben. „Das ist unmenschlich, ihnen bei diesen Temperaturen ein Bett zu verweigern,“ so Karrenbauer. Nach Schätzungen des Diakonischen Werks leben rund 2000 Menschen in Hamburg auf der Straße.

Seit Jahren setzen sich Fachleute für die Öffnung der Notunterkünfte auch tagsüber ein. Zuletzt forderten der ehemalige Obdachlose Jörg Petersen und das „Hinz&Kunzt“ in einer Online-Petition einen Zugang für alle – auch am Tage. Mehr als 100.000 Menschen haben sich inzwischen dieser Forderung unter change.org/winternotprogramm angeschlossen.

Hamburgs Sozialbehörde kündigte an, durch eine Zählung herausfinden zu wollen, wie viele Obdachlose in der Stadt leben. Dafür sollen vom 19. bis 25. März Obdachlose und in Gemeinschaftsunterkünften lebende Menschen mit standardisierten Fragebögen befragt werden. Neben Daten wie Alter, Geschlecht und Nationalität sollen auch Informationen zur Dauer und Ursache der Obdachlosigkeit oder zur gesundheitlichen Selbsteinschätzung erhoben werden. Ziel ist laut Behörde, Rückschlüsse auf das Hilfesystem zu ziehen.

„Wir brauchen gesicherte Informationen, um unser bestehendes Hilfesystem zu überprüfen“, erklärte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). Es gebe zwar viele Anlaufstellen für Obdachlose. In den vergangenen Jahren habe sich aber die Zielgruppe verändert, da immer mehr Menschen aus EU-Ländern in die Hansestadt kämen. „Für eine Weiterentwicklung der Angebote brauchen wir mehr Informationen.“

Quelle: https://www.welt.de/regionales/hamburg/article173856718/Kaeltewelle-Obdachlose-bangen-um-ihr-Leben.html

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