Das sind die ersten Flüchtlingshäuser der Stadt Bielefeld

Als Bauherr: Über die Tochter Solion setzt das Rathaus vier eigene Projekte um. Künftig sollen aber BGW oder private Investoren für weiteren Wohnungsbau sorgen

Als 2015 die Flüchtlingswelle auch nach Bielefeld schwappte, drängte die Stadt auf den Bau von Unterkünften und Wohnungen. Baudezernent Gregor Moss (CDU) schob die Prüfung von 30 Standorten in drei Schritten an. Gleichzeitig stieg die Stadt selbst über die Tochter Solion in den Bau von Wohnungen ein. Die zwei ersten Häuser sind jetzt fertig. Doch die Bauherren-Ära der Stadt dürfte bald wieder enden.

Ab 1. Februar können die ersten Flüchtlinge in die Gebäude Im Hagen an der Dorfstraße in Jöllenbeck und Im Siekerfelde im Bielefelder Osten einziehen. “Die Abnahme der Bauten läuft”, erklärte Jürgen Bültmann, kaufmännischer Leiter des Immobilienservicebetriebs und Geschäftsführer der Solion. Der ISB wird die Gebäude von der bauenden Solion übernehmen.

Wo die Häuser stehen

In Jöllenbeck sind 13 Wohnungen entstanden, Im Siekerfelde 24 in verschiedenen Größen. Andreas Döding, Geschäftsbereichsleiter im Sozialamt, rechnet mit dem Einzug von 34 bzw. 48 Flüchtlingen. Das Sozialamt ist für die Belegung und Betreuung zuständig, die Verwaltung der Häuser übernimmt die 75-Prozent-Stadttochter BGW.

Die hat die ersten beiden für Zuwanderer geplanten Wohnhäuser errichtet, an der Heeper Straße (15 Wohnungen) und am Bisonweg in Senne (acht). Beide konnten 2017 bereits bezogen werden.

In den 40 bis 62 Quadratmeter großen Wohnungen leben vor allem Einzelpersonen, teils in Wohngemeinschaften. In die städtischen Gebäude sollen vermehrt auch Flüchtlingsfamilien und Ehepaare einziehen, erklärte Sozialdezernent Ingo Nürnberger (SPD). Moss hatte das Bauprogramm unter dem Motto “Wohnungen für einkommensschwache Familien und Flüchtlinge” angeschoben. Nürnberger räumt aber ein, dass es vor allem Bedarf für Einzelpersonen gebe.

Aktuell noch knapp 1.000 Flüchtlinge in Unterkünften

Hintergrund des Sofort-Bauprogramms war die günstige Förderung über die NRW-Bank. Moss hoffte, schon 2016 erste Wohnungen fertig zu haben. Doch Planung, Beratung und Umsetzung zogen sich hin. Jetzt werden die Wohnungen fertig, obwohl der höchste Druck längst vorbei ist.

Untergebracht werden hier Flüchtlinge, die noch auf ihre Anerkennung als Asylberechtigter warten oder im Verfahren dafür stecken. Wegen der Förderung darf die Stadt zunächst nur Flüchtlinge in die Sozialwohnungen lassen. Erst wenn diese ausziehen, kann sie auch an einheimische Familien vermieten, so Döding.

Weitere Häuser geplant

Insgesamt baut die Solion vier Wohnanlagen. Zwei weitere an der Dr-Viktoria-Steinbiß-Straße in der östlichen Innenstadt (18 Wohnungen) sowie der Walter-Werning-Straße in Stieghorst (neun) dürften im September fertig werden, so Bültmann. Zwei weitere geplante an der Rosenhöhe in Brackwede scheiterten am Widerstand vor Ort. Insgesamt verbaut die Stadt 8,9 Millionen Euro bei einer Förderung von 1,8 Millionen.

Weil die Flüchtlingswelle abgeebbt ist, will sich die Stadt aus dem eigenen Wohnungsbau wieder zurückziehen. Nürnberger: “Für den Übergang war das richtig, auch weil es die günstigen Fördermittel gab. Aber auf Dauer ist der Bau von Häusern speziell für Flüchtlinge städtebaulich wenig ratsam, auch um weitere Neiddebatten zu vermeiden.”

Moss und Nürnberger setzen deshalb verstärkt auf den freien Markt und Wohnungsgesellschaften. “Wir müssen schon mit Hochdruck dranbleiben”, sagt Nürnberger: “Deshalb freue ich mich über jeden neuen Bebauungsplan.” Die Stadt prüft derzeit mit einer Arbeitsgruppe mögliche Baugebietsstandorte. Petra Thiede vom Stab des Baudezernenten rechnet in Kürze mit einer Empfehlung an den Rat.

Aktuell sind in Unterkünften noch knapp 1.000 Flüchtlinge untergebracht. Gut 200 finden in den neuen Stadt- und BGW-Häusern Wohnraum. Daneben sind rund 350 Wohnungen in der Stadt für Flüchtlinge angemietet. Nürnberger: “Genug Wohnungen zu finden, bleibt eine Herausforderung. Sie ist aber zu schaffen.”

Information

Wohnungen

  • Jöllenbeck: 13 Wohnungen, Im Hagen, bezugsfertig.
  • Mitte: 24 Wohnungen, Im Siekerfelde, bezugsfertig.
  • Mitte: 18 Wohnungen, Dr.-Viktoria-Steinbiß-Str., geplant im September fertig.
  • Stieghorst: 9 Wohnungen, Walter-Werning-Straße, geplant im September fertig.
  • BGW-Bauten: Heeper Straße, 15 Wohnungen, und Bisonweg in Senne, 8 Wohnungen, bezogen.
Kommentar

Weiter Bedarf

Von Joachim Uthmann

Hätten sich die ersten Prognosen bewahrheitet, wäre die Stadt in großer Not. Für viele Tausende Flüchtlinge hätte sie kaum Wohnungen gefunden. Erst das Abklingen der Zuwandererwelle entspannte die Lage. Dass die Stadt 2015 nicht allein dem Markt vertraute, war sinnvoll. So schnell reagiert er nicht, zumal hier keine großen Renditen locken. Doch auch der Schwenk der Stadt, mit günstigen Krediten selbst in den Wohnungsbau einzusteigen, brachte nicht sofort Effekte. Auch sie muss planen, finanzieren, bauen. Das dauerte.

Am schnellsten war noch die 75-Prozent-Tochter BGW, deren Geschäft auch Wohnungsbau ist. Für die Stadt ist es günstig, dass der akute Wohnraumbedarf für Flüchtlinge abflaut und sie ihre Bautätigkeit erstmal stoppen kann. Auf Dauer können es nur Gesellschaften, Genossenschaften und Private richten. Sie sind weiter gefordert. Denn der Bedarf an günstigen Wohnungen bleibt.

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