Opfer ins Herz gestochen! 27-Jähriger wegen Mordes verurteilt

In einer Flüchtlingsunterkunft wird ein Mann erstochen. Doch nicht nur die Tat erschüttert das Gericht – sondern vor allem das, was direkt danach passierte.

Wegen Mordes ist ein 27-Jähriger vom Landgericht Potsdam zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er habe das 29 Jahre alte Opfer im Streit vorsätzlich und heimtückisch getötet, begründeten die Richter ihr Urteil am Dienstag. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte dagegen auf zehn Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags plädiert.

Der damals 26 Jahre alte Somalier hatte seinem Landsmann im vergangenen März in einer Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland) mit einem Messer ins Herz gestochen. Das Opfer war nach Ansicht der Richter arg- und wehrlos und starb noch am Tatort. Der Verurteilte nahm das Urteil regungslos hin.

Der Mann hatte den Ausführungen des Gerichts zufolge im Jahr 2013 den Plan gefasst, aus seiner Heimat zu fliehen – nach eigenen Angaben aus Angst vor der islamistischen Al-Shabab-Miliz und aus wirtschaftlichen Gründen.

Über die Mittelmeerroute kam er schließlich im Januar 2014 nach Deutschland, wo er in Eisenhüttenstadt Asyl beantragte.

Einer der Stiche in den Oberkörper traf ins Herz

Vor dort zog der Verurteilte ins Havelland, wo er das spätere Opfer kennenlernte. Die beiden wohnten zwischenzeitlich in einem Zimmer, sie verband zunächst eine Freundschaft, wie der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter ausführte. Der Asylantrag des heute 27-Jährigen wurde dann jedoch abgelehnt, er war nur noch geduldet und ihm drohte die Abschiebung nach Italien, weil er dort zuerst europäischen Boden betreten hatte. Eine befristete Stelle in einer Fabrik wurde nicht verlängert.

In der Flüchtlingsunterkunft fiel der Mann immer wieder auf, weil er aggressiv war und gegen die Hausordnung verstieß, indem er etwa laute Musik hörte oder viel Alkohol trank.

Täter und Opfer seien im Vorfeld des Mordes bereits in Streit geraten, hieß es. Der Grund dafür blieb in der mündlichen Urteilsbegründung im Dunkeln. Der Verurteilte hatte bei den Auseinandersetzungen aber offensichtlich das Nachsehen. Am Tag der Tat habe er daher den Entschluss gefasst, nicht wieder den Kürzeren ziehen zu wollen, wie Richter Horstkötter erklärte. Er verbarg das Messer und stellte sein Opfer im Flur der Flüchtlingsunterkunft. Dieses habe sich nicht erneut prügeln wollen und sich abgewendet. Woraufhin der Täter sein Messer zog. Einer seiner Stiche in den Oberkörper traf ins Herz.

„Mit erheblicher Kraft und Gewalt” zugestochen

In einer schriftlichen Erklärung im Prozess hatte der Angeklagte angegeben, er habe seinen Kontrahenten nicht töten wollen. Er sei wütend gewesen und habe ihm eine Lektion erteilen wollen. Das Messer sei ihm vor dem tödlichen Stich heruntergefallen, insofern sei das Opfer nicht arg- und wehrlos gewesen.

Videoaufnahmen belegten dem Gericht zufolge aber, dass die Aussage nicht stimmte. Der Mörder habe „mit erheblicher Kraft und Gewalt” zugestochen, sagte der Vorsitzende Richter. Nach der Tat versteckte er das Messer in einem Mülleimer und ging ruhig zurück in sein Zimmer. Der Mann sei voll schuldfähig gewesen.

Die Aufnahmen zeigten laut Horstkötter nicht nur die erschütternde Tat selbst, sondern auch, dass dem Opfer danach niemand geholfen habe. Die Anwesenden seien an ihm vorbei gelaufen oder sogar über ihn hinweg gestiegen. Das sei „menschlich schwer nachvollziehbar”, sagte Horstkötter. Er appellierte daran, Schwerverletzten zu helfen – selbst wenn dies im konkreten Fall wohl auch nicht mehr geholfen hätte.

Quelle: https://www.bz-berlin.de/tatort/menschen-vor-gericht/opfer-ins-herz-gestochen-27-jaehriger-wegen-mordes-verurteilt

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