Gutachter spricht von äußerst brutalem Vorgehen des Angeklagten

Am dritter Prozesstag vor dem Landgericht Freiburg schildert ein Experte, wie Carolin G. von ihrem Täter vor einem Jahr in Endingen erschlagen wurde. Dabei ist offen, ob dies mit einer Eisenstange oder einer Flasche geschah

Nach der Tötung der Joggerin Carolin G. in Endingen bei Freiburg hat ein Gutachter dem Täter eine äußerst brutale Vorgehensweise bescheinigt. Die 27-Jährige sei durch mehrere heftige Schläge auf den Kopf mit einem harten Gegenstand getötet worden, sagte der Freiburger Gerichtsmediziner Markus Große am 3. Prozesstag vor dem Landgericht Freiburg. Große wollte nicht ausschließen, dass der Angeklagte sein Opfer am 6. November des vergangenen Jahres, wie von dem 40-jährigen Rumänen Catalin C. behauptet, mit einer Schnapsflasche erschlagen hat.

Catalin C. hatte nach eigenem Geständnis die 27-jährige Carolin G. in den Weinbergen von Endingen an einem Sonntagnachmittag abgefangen, in ein Waldstück geschleift und sie dort schwer vergewaltigt und getötet. Auf enthemmtes gewalttätiges Vorgehen deuten nach Aussagen des Gutachters „Riss und Quetschwunden, Brüche, Würgemale, Stauungsblutungen und Dehnungsrisse im Intimbereich.“ Ungerügt von der Vorsitzenden des Schwurgerichts Eva Kleine-Kosack bleibt bei dem Vortrag des Gutachters der der Catalin C. gemünzte Zwischenruf eines im Publikum anwesenden Mannes: „So ein perverses Dreckschwein“.

Zu Carolin G.s Tod führten nach Erkenntnissen des Gutachters ein Schädel-Hirn-Trauma nach sechs schweren Schlägen gegen den Kopf – mit einem „röhren- oder stangenförmigen Schlagwerkzeug“. Die Tatwaffe ist bisher nicht gefunden. Ob der Angeklagte zuerst zuschlug oder sein Opfer zuerst gewürgt hat, lässt sich nach Aussagen des Gerichtsmediziners nicht genau feststellen. Es könne angenommen werden, dass Carolin G. während der Vergewaltigungshandlungen bewusstlos gewesen sei – aber auch dazu ergaben sich keine genauen Erkenntnisse. Im Bereich des Tatorts war die Spurenlage schlecht – Carolin G.s Leiche war erst am Donnerstag nach der Tat gefunden worden – nach tagelang nasskalter Witterung.

DNA-Spuren des Fernfahrers waren wahrscheinlich vom Regen abgewaschen und nur in Spurenelementen an der Leiche gefunden worden. Eine Diplombiologin vom Landeskriminalamt urteilte über das Wenige an DNA-Material, es reiche im Endinger Fall nicht für den Nachweis einer hundertprozentigen Zuordnung zu Catalin C. Aber im Vergleich mit den Spuren von Kufstein lasse sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass er als Spurenleger infrage kommt. Der Endinger Spediteur, für den Catalin C. fuhr, beschrieb ihn als einen in hohem Maße zuverlässigen Mitarbeiter. Dass der Rumäne viel Alkohol getrunken haben will, sei nicht aufgefallen und erscheine unwahrscheinlich. Der Spediteur berichtete von Drohungen gegen ihn und sein Unternehmen nach Festnahme von Catalin C. Er äußerte die Bitte, das das endlich aufhöre.

Weitere Prozesstage

An diesem Montag wird der Prozess gegen Catalin C. fortgesetzt – am Nachmittag sagen nach Angaben eines Gerichtssprechers zwei Rechtsmediziner und ein Kriminalbeamter aus Österreich aus. Ihr Thema: der von Catalin C. ebenfalls gestandene Mord an einer Studentin in Kufstein im Januar 2014. Am Dienstag, 5. Dezember folgt das forensisch-psychiatrische Gutachten über die Gefährlichkeit des 40-jährigen rumänischen Fernfahrers – schon am 14. Dezember könnte plädiert werden. Am 19. oder 22. Dezember könnte der Tag der Urteilsverkündung werden. Demnach läuft der Prozess voraussichtlich deutlich schneller als der gegen Hussein K. im sogenannten Dreisammord-Prozess.

Quelle: https://www.suedkurier.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/Mord-an-Joggerin-Gutachter-spricht-von-aeusserst-brutalem-Vorgehen-des-Angeklagten;art417930,9522243

Foto: Patrick Seeger

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