Schweden hat ein Problem

Geschlechtertrennung zwecks Gewaltprävention bedeutet nicht Emanzipation, sondern Kapitulation und Rückschritt.

«Im Sommer 2018 veranstalten wir ein Musikfestival, wo Sicherheit gegeben ist. Es werden keine Cis-Männer da sein, weder im Publikum noch auf der Bühne.» Das gab das Statement Festival jüngst auf seiner Webseite bekannt. Wegen sexueller Übergriffe bleibt Männern der Eintritt verwehrt. Konzerte in Europa werden nun also getrenntgeschlechtlich veranstaltet. Bravo. Unsere Gesellschaft ist auf dem direkten Weg ins Mittelalter.

Auch wenn die Festival-Ansage zu Ironie verleitet, die Sache ist ernst. Während des Bråvalla-Festivals in Schweden gingen dieses Jahr vier Anzeigen von Frauen wegen Vergewaltigung bei der Polizei ein, 23 weitere sexuelle Übergriffe wurden gemeldet. Das beliebte Festival wurde deshalb für 2018 abgesagt.

Es ist das dritte Jahr nacheinander, dass Frauen und Mädchen bei Festivals in Schweden sexuell angegriffen werden. Hat das Land in den vergangenen Jahren tatsächlich einen enormen Anstieg an Vergewaltigungen erlebt, wie es viele behaupten, oder ist es nur ein Hirngespinst der Rechten, um gegen bestimmte Gruppen zu hetzen?

Innerhalb der letzten zwölf Jahre hat sich die Anzahl der Vergewaltigungen mehr als verdoppelt.

Es ist nicht ganz einfach, sich einen Überblick zu verschaffen über die Anzahl Sexualstraftaten im Königreich, die Daten gehen auseinander. Auf der schwedischen Regierungs-Webseite www.government.se steht: «Die Anzahl gemeldeter Vergewaltigungen ist gestiegen, aber die Definition von Vergewaltigung ist im Laufe der Zeit breiter gefasst worden, Zahlen zu vergleichen ist deshalb schwierig.»

Auch sei es irreführend, die Zahlen mit anderen Ländern zu vergleichen, da Vergewaltigung unter schwedischem Recht anders ausgelegt würde. Als Beispiel wird angeführt: Wenn eine Frau von ihrem Mann während eines Jahres jede Nacht vergewaltigt würde, zähle man in Schweden 365 separate Fälle, während es in vielen anderen Ländern als ein Übergriff gelte, oder gar nicht registriert würde.

Laut einer Statistik von United Nations Office on Drugs and Crime wurden in Schweden im Jahr 2015 pro 100’000 Einwohner 56,69 Fälle von Vergewaltigung der Polizei gemeldet (in Deutschland liegt die Zahl bei 8,70, in der Schweiz bei 6,41). Weil es nur die angezeigten Vergewaltigungen sind und tatsächlich Unterschiede zu anderen Ländern hinsichtlich der Definition existieren, vergleichen wir die Zahlen in Schweden selbst: 2003 kamen auf 100’000 Einwohner 24,99 angezeigte Vergewaltigungen.

Innerhalb der letzten zwölf Jahre hat sich die Anzahl mehr als verdoppelt. Die Organisation «Women Against Rape» schrieb 2010 sogar von einer Vervierfachung: «Schweden besitzt die höchste Pro-Kopf-Anzahl an angezeigten Vergewaltigungen in Europa. Diese Anzahl hat sich in den letzten 20 Jahren vervierfacht, die Verurteilungen haben stetig abgenommen.» Auch wenn man die Quote um das Argument «bereinigt», dass heute mehr Übergriffe angezeigt werden als noch vor zwölf Jahren und der Vergewaltigungsbegriff in Schweden weiter gefasst wird, ist die Zahl noch immer horrend hoch.

«Was haltet ihr davon, ein wirklich cooles Festival auf die Beine zu stellen, bei dem nur Nicht-Männer Willkommen sind?»Emma Knyckare, Komikerin und Feministin

Der Aufschrei darüber blieb während der vergangenen Jahre weitestgehend aus. Erst 2016 kam es zum handfesten Skandal und zu Rücktritten, als während eines Musikfestivals mehrere Anzeigen wegen Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen erstattet wurden – und gleichzeitig aufflog, dass die Polizei schon 2014 Übergriffe bei Festivals vertusche, weil es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handelte – man wollte sich nicht «wegen Verallgemeinerung angreifbar» machen.

Das Verschweigen der Polizei beleuchtet ein Welt.de-Artikel vom 17.8.2016: «Erst nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht deckte die Zeitung «Dagens Nyheter» auf, dass es Übergriffe in Stockholm überhaupt gab.» Damit gemeint ist das Jugendfestival «We are Stockholm» von 2014. Der Grund für die mangelnde Transparenz bei der Polizei sei, dass die meisten der rund 200 Täter «unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Afghanistan» waren.

Ein ZeitOnline-Artikel vom 17.6.2016 beschreibt es so: «Tatsächlich ist das Risiko des Generalverdachts nicht von der Hand zu weisen. Die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht sind auch in Schweden Thema gewesen, genauso wie die Frage danach, ob die Herkunft der Täter eine Rolle spielt – oder auch nicht.» Gemäss einem Polizeibericht machen sexuelle Übergriffe bei Festivals oder in Schwimmbädern nur etwa zwei Prozent aller angezeigten Sexualstraftaten in Schweden aus. Allerdings seien junge Flüchtlinge überrepräsentiert.

Eine Korrelation herzustellen zwischen dem starken Anstieg der Vergewaltigungen in Schweden und der jahrzehntelangen, ultra-liberalen Einwanderungspolitik ist heute heikel, gerade weil es dazu keine exakten Zahlen gibt. Ganz abgesehen von den Festivals gäbe es laut einem NZZ-Artikel von 2016 im nordischen Raum aber durchaus Hinweise darauf, dass zwischen Migration und Sexualverbrechen direkte Zusammenhänge bestehen.

Der Ausschluss von Männern an öffentlichen Events ist falsch.

Der Autor nennt eine norwegische Fernsehstation, die berichtete, dass von 399 Personen, die im Jahr 2015 wegen Sexualverbrechen verurteilt wurden, 90 einen Migrationshintergrund hätten. Damit sind Migranten im Vergleich zu ihrem Anteil von 15 Prozent an der Gesamtbevölkerung in Norwegen überproportional vertreten.

«Was haltet ihr davon, ein wirklich cooles Festival auf die Beine zu stellen, bei dem nur Nicht-Männer Willkommen sind? Wir machen das so lange, bis ALLE Männer gelernt haben, sich zu benehmen.» Der Vorschlag eines männerlosen Festivals kam von der schwedischen Komikerin und Feministin Emma Knyckare – und er ist teilweise nachvollziehbar.

Schliesst man alle Männer aus, schliesst man sexuelle Übergriffe aus. Frauen fühlen sich sicherer, unbeschwerter. Drehen sich nicht mehr um auf dem Weg zur abgelegenen Toilette, wenn sie Schritte hinter sich hören. Hätte ich eine Tochter, liesse ich sie ohne Bedenken das Women only-Festival besuchen, bei den üblichen Events würde ich sie wohl begleiten wollen.

Dennoch: Der Ausschluss von Männern an öffentlichen Events ist falsch. Geschlechtertrennung zwecks Gewaltprävention bedeutet nicht Emanzipation, sondern Kapitulation und Rückschritt. Und es ist langfristig keine Lösung, denn es richtet sich gegen die falschen Männer.

Musikfestivals sind auch dazu da, um zu flirten, ein bisschen rumzumachen und Grenzen auszuloten.

Ein Veranstalter hat natürlich das Recht, sämtliche männliche Wesen von seinem Festival zu verbannen. Damit bestraft er aber alle Männer für die Taten einiger weniger, ausserdem deutet er damit an, dass man Frauen vor allen Männern schützen muss. Knyckare’s Äusserung «Bis die Männer gelernt haben, sich zu benehmen» mag vielleicht der Feministinnen-Schlachtruf der Postmoderne sein, bewirkt aber gewiss nicht, dass sich Männer deswegen besser benehmen.

Wahrscheinlicher ist, dass sie sich genervt und genarrt fühlen, weil sie mit Grabschern und Vergewaltigern in denselben Topf geworfen werden. Zu Recht. Denn während ansonsten alle Mittel angewendet werden, um Pauschalisierung zu vermeiden, geht sie hier ganz offensichtlich in Ordnung.

Man stelle sich vor, ein Veranstalter würde ein Festival gründen, wo Frauen draussen bleiben müssen – vielleicht, weil die Männer mal unter sich bleiben wollen, weil sie dann all die Dinge tun können, die sie sonst unterdrücken müssen, rülpsen, prahlen, nichtssagendes Zeug daherreden, ohne, dass es Konsequenzen hat – der Aufschrei der Stockholmer Feministinnen, er würde wohl bis zum Nordpol hörbar sein.

Und schliesslich: Musikfestivals sind doch auch dazu da, um zu flirten, ein bisschen rumzumachen, Grenzen ausloten, sich gemeinsam dem ekstatischen Rausch der pochenden, dröhnenden Musik hinzugeben. In meiner Jugend war es jedenfalls so. Ob sich ein Festival, das ausschliesslich aus Frauen besteht, auf der Bühne und im Publikum, finanziell lohnt, wage ich zu bezweifeln.

Im Kampf gegen sexuelle Gewalt müssen Männer miteinbezogen werden.

Wenn sich heute eine Kultur manifestiert hat, in der Frauen aus Angst vor Übergriffen lieber alleine feiern, ist das vor allem eines: Das Totalversagen des Staates. Schwedens Aufgabe, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen, ist auf ganzer Linie gescheitert. Dort liegt das Problem.

Staat und Polizei müssen eine transparentere und bessere Aufklärung leisten, sollten ihre Einwanderungspolitik zumindest hinterfragen, gegebenenfalls ändern, gesetzliche Rahmenbedingungen wie härtere Strafen schaffen, die abschrecken – und sich in der Welt herumsprechen. Feministinnen und Medien müssen da den Finger drauflegen. Und zwar ohne die geringste Angst, sich wegen irgendwelcher “Verallgemeinerungen” angreifbar zu machen.

Die Lösung wäre wahrscheinlich zu einfach (und zu utopisch), bestimmten Ausländergruppen pauschal den Zugang zu Festivals fortan zu verbieten und dann anzunehmen, es würden nie mehr Übergriffe stattfinden – auch unter Einheimischen gibt es Sexualtäter. Ausserdem würden durch solche Massnahmen Unschuldige bestraft und Integration komplett verunmöglicht. Der bessere Weg scheint hier, wenigstens derzeit, eine Aufstockung des Sicherheitspersonals.

Im Kampf gegen sexuelle Gewalt aber müssen Männer miteinbezogen werden. Wir sollten sie als Verbündete sehen, statt sie auszugrenzen. Und sie sind da. Sie wollen uns helfen. Die allermeisten Männer, die ich je kennengelernt habe, stehen Frauen zur Seite, unterstützen sie und verteidigen sie gegen das Übel. Wenn wir nicht mehr alle zusammen feiern können, ist das einer fortschrittlichen Gesellschaft unwürdig. (Basler Zeitung)

Wegen sexueller Übergriffe werden Konzerte in Europa getrenntgeschlechtlich veranstaltet. Bravo. Unsere Gesellschaft ist auf dem direkten Weg ins Mittelalter.

Quellen/Links:

http://www.statementfestival.se/en/

http://www.government.se/articles/201…

http://www.unodc.org/unodc/en/data-an…

http://womenagainstrape.net/inthemedi…

https://www.nzz.ch/international/euro…

https://www.welt.de/politik/ausland/a…

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitg…

Quelle: https://bazonline.ch/leben/gesellschaft/schweden-hat-ein-problem/story/23576529

Video: https://www.youtube.com/watch?v=bF7kdi3A5M8

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