Treppenschubser vor Gericht: „Das wird schon so stimmen“

Er war schon in der Psychiatrie

Der Angeklagte leugnet die Tat nicht. „Der Mann war ein bisschen dicht an mich rangekommen. Da wurde ich aggressiv”, lautete seine Begründung.

Das Urteil gegen den U-Bahn-Treter (28) von Neukölln war noch nicht gesprochen, da erschütterte eine ähnlich brutale Attacke die Stadt. Tatort diesmal: Bahnhof Alexanderplatz.

Die Fahndungsfotos aus der Nacht zum 11. Juni 2017 zeigen, wie ein Fahrgast (38) auf der Treppe zur U8 durch einen Schlag gegen den Hinterkopf die 14 Stufen hinunterstürzt, mehrfach gegen das Eisengitter schlägt, schwerverletzt liegenbleibt.

Nur Tage nach der Veröffentlichung wird der mutmaßliche Täter gefasst:

Igor B. (39), Russe, ohne Beruf, psychisch krank.

Am Montag begann der Prozess vor dem Landgericht.

„Das wird schon so stimmen“, sagte er, strich sich dabei über seinen kahlgeschorenen Kopf. „Der Mann war ein bisschen dicht an mich rangekommen. Da wurde ich aggressiv.“

Nicht das erste Mal:

Im Mai 2016 randalierte er auf dem U-Bahnhof Bismarckstraße. Im Juli 2016 lief er nackt durch Moabit („Ich bin der Terminator“), schlug auf Passanten ein, entriss einem Polizisten die Pistole und schoss sich in den Bauch. Er kam in die Psychiatrie. Bis ihm ein Gutachten im August bescheinigte: Keine akute Eigen- und Fremdgefährdung. Ein verhängnisvoller Irrtum, der Renzo T. (Name geändert) dem Alex-Opfer das Leben hätte kosten können.

Vor 20 Jahren stellten Ärzte erstmals bei ihm Schizophrenie fest.

Er war mehrfach in Kliniken, nahm dort seine Medikamente, war krankheitseinsichtig und therapiewillig. Doch kaum mit günstiger Prognose entlassen, bestimmten wieder Alkohol und Drogen seinen Alltag.

Die Folge: Wieder Schübe, wieder Straftaten. Medikamente, Arztbesuche, die auferlegten Urin-Proben interessierten ihn nicht mehr. Jetzt soll er wieder mal in eine Psychoklinik…

Quelle: https://www.bz-berlin.de/tatort/menschen-vor-gericht/der-treppenschubser-vom-alexanderplatz-steht-vor-gericht

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