Unbekannter Mann verfolgt Joggerin

Knapp zwei Monate nach einer Vergewaltigung in Großhansdorf bedrängt ein Radfahrer eine Frau. War es derselbe Täter?

In der Waldgemeinde Großhansdorf ist eine Frau vor wenigen Tagen möglicherweise nur knapp einem Sexualverbrecher entkommen. “Der Fall ist aus meiner Sicht eindeutig”, sagt die Frau zum Abendblatt.

“Als ich frühmorgens gegen 6 Uhr joggen war, hat mich ein Mann an der Straße Alter Achterkamp auf einem Fahrrad verfolgt. Ich bekam Angst, flüchtete auf ein Grundstück und alarmierte mit meinem Handy sofort die Polizei. Der Mann traute sich wohl nicht, mir auf die hell erleuchtete Einfahrt zu folgen, stand aber noch drei bis vier Minuten an der Straße.” Dann verschwand der Unbekannte in der Dunkelheit.

Alter Achterkamp liegt unweit der Tatortes vom 23. August

Die Polizeidirektion in Ratzeburg bestätigt den Vorfall vom Dienstag, 10. Oktober, auf Anfrage dieser Zeitung. Auf die Frage, ob es einen Zusammenhang gebe mit dem brutalen Sexualverbrechen am 23. August in Großhansdorf , bei dem eine Frau auf dem Verbindungsweg von der Sieker Landstraße zum Kortenkamp zwischen Emil-von-Behring-Gymnasium und Sportplatz Opfer einer Vergewaltigung wurde, machte Polizeisprecher Holger Meier jedoch keine Angaben. Die Behörde habe diesen Vorfall nicht öffentlich gemacht, weil es dabei zu keiner Straftat gekommen sei.

Auffällig ist allemal, dass der Tatort nur wenige Hundert Meter von der Straße Alter Achterkamp entfernt liegt. Und: Das Verbrechen wurde ebenfalls frühmorgens gegen 8 Uhr verübt. Holger Meier sagt aber auch: “Bisher können wir das, was der Joggerin widerfahren ist, der Tat vom 23. August nicht zuordnen.” Zum Stand der Ermittlungen wolle er sich nicht weiter äußern, um diese nicht zu gefährden. Die Bürger könnten jedoch sicher sein, “dass die Beamten der Kriminalpolizei mit Hochdruck nach dem Täter fahnden”. Und natürlich habe er Verständnis für die Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung der Waldgemeinde.

Die Joggerin kann den Täter nicht genau beschreiben

Fakt ist, dass der Triebtäter in der Nähe des Emil-von-Behring-Gymnasiums zu einer Zeit zuschlug, in der viele Menschen gerade zu ihrer Arbeitsstätte unterwegs sind. Manche zu Fuß, manche mit dem Rad. Die Gefahr, bei der Tat von Zeugen gesehen oder von der Polizei gestellt zu werden, hielt ihn nicht von seinem furchtbaren Vorhaben ab. Die Ermittler, die erst einige Tage nach dem Verbrechen davon erfuhren, weil das Opfer aus Scham zunächst keine Anzeige erstattet hatte, sprechen von einer “überfallartigen” Tat.

Informationen zum Alter oder zur Verfassung der Frau, Details zum Verbrechen, ob und wie viele Hinweise es inzwischen gibt – oder ob gar eine heiße Spur dabei sei – dazu ist von Behördenseite nichts zu erfahren. Zu “sensibel” sei das Thema. Zu groß die Gefahr, dass sogenanntes Täterwissen an die Öffentlichkeit gelange und somit nicht mehr zur Überführung des Täters genutzt werden könne. Ähnlich wie bei diesem brutalen Übergriff gestalten sich die Ermittlungen auch im Fall der Joggerin vom Alten Achterkamp für die Kripobeamten äußerst schwierig. Die Frau, die dem Abendblatt bekannt ist, die ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte, kann der Polizei mit einer konkreten Beschreibung des Mannes nicht helfen. Sie sagt: “Ich war derart erschrocken und geschockt – ich bin einfach nur schnell in die andere Richtung weggerannt, als ich sah, dass er hinter mir her ist.” Nur wenige Details aus diesen schrecklichen Minuten erinnere sie gut: “Er war schwarz gekleidet und mit einem normalen Fahrrad unterwegs.” Es sei weder ein Mountainbike noch ein Rennrad gewesen.

Weiter berichtet die Großhansdorferin: “Ich hatte wohl Glück, dass ich auf die erleuchtete Auffahrt flüchten und mit meinem Handy die Polizei verständigen konnte.” Weil der Mann zunächst an der Straße ausharrte, habe sie sich weiterhin sehr bedroht gefühlt. Eine Polizeibeamtin, die sofort Kollegen aus Ahrensburg an den Ort des Geschehens schickte und die Telefonverbindung mit ihr die ganze Zeit über aufrecht erhielt, habe sie zwar zu beruhigen versucht. Aber es habe “gefühlt eine Ewigkeit gedauert – ich schätze, es waren fast 20 Minuten”, bis ein Streifenwagen vorfuhr und sie den Beamten Angaben zum Sachverhalt machen konnte. Das Abendblatt hakte nach, fragte nach dem Einsatzprotokoll. Dazu sagt Holger Meier: “Von der Alarmierung bis zum Eintreffen der Beamten vergingen genau neun Minuten.”

Wer Verdächtiges beobachtet hat, soll die Kripo informieren

Für die Betroffene wirkte es dennoch wie eine Ewigkeit. Als Konsequenz des Erlebten gehe sie jedenfalls vorerst morgens oder abends nicht mehr allein Joggen. “Ich rate auch anderen Frauen dringend davon ab. Zumindest solange, bis der Verbrecher gefasst ist.”

Die Kriminalpolizei bittet in diesem Zusammenhang erneut mögliche Zeugen, die Angaben zur Tat vom 23. August machen können, sich umgehend in Ahrensburg unter der Telefonnummer 04102/809-0 zu melden. Die Beamten fragen: “Wer hat an diesem Tag in der Zeit zwischen 8 und 8.30 Uhr eine männliche Person auf dem eingangs beschriebenen Verbindungsweg in Großhansdorf oder in unmittelbarer Nähe gesehen? Alternativ können Zeugen auch den Polizeinotruf 110 wählen.

Quelle: https://www.abendblatt.de/region/stormarn/article212300257/Unbekannter-Mann-verfolgt-Joggerin-in-Grosshansdorf.html

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