Wie die Polizei die Anwohner enttäuscht

Den Anwohnern am Ebertplatz reicht es. Sie fordern, dass etwas gegen die unzumutbaren Zustände mit der ausufernden Kriminalität unternommen wird.

Doch das, was die Polizei den Bürgern als Ansätze bietet, ist nicht geeignet, sie zu beruhigen.

Nicht ansatzweise.

Anwohner fordern mehr Präsenz der Polizei und ein konsequentes Vorgehen gegen die Dealer-Szene. Auf dem Veedelstreff, zu dem der Bürgerverein Eigelstein eingeladen hatte, wurde vorgeschlagen, eine temporäre Wache in einem der leeren Ladenlokale am Ebertplatz einzurichten.

Wache „personell nicht zu stemmen”

„Gehen sie davon aus, dass dort keine Polizeiwache hinkommt“, entgegnete ihnen Andreas Andres vom Bezirksdienst der Kölner Polizei. „Wir haben so viele Aufgaben in der Stadt, dass eine Besetzung einer Wache personell nicht zu stemmen ist.“

Er wiederholte die Forderung von Polizeipräsident Uwe Jacob, dass es mit polizeilichen Mitteln nicht getan sei – und der Platz mit seinen Nischen umgebaut werden müsse.

„Polizei, Land und Stadt sind gefordert”

Raunen bei den Anwohnern, die wissen: das dauert noch Jahre. Jörg Frank, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, sprach für viele: „Diese Aussage des Polizeipräsidenten ist enttäuschend. Es ist unerheblich, ob der Platz ästhetisch ansprechend ist oder nicht, hier geht es um Kriminalität. Da ist die Polizei am Zug. Wir erwarten, dass der Polizeipräsident handelt.“

FDP-Fraktionschef Ralph Sterck brachte einen Runden Tisch ins Gespräch: „Polizei, Land und Stadt sind gefordert, hier schnell Flagge zu zeigen.“

Der Kriminalitätsbrennpunkt Ebertplatz zieht die umliegenden Viertel mit runter. Die Folgeerscheinungen spüren fast alle.

Beispiele:

Eine Frau schildert:

„Bei einer Aktion auf dem Ebertplatz mit vielen Kindern sind mittags Flaschen geflogen. Die Polizei musste einschreiten. Die Randalebrüder wurden einkassiert. Was frustriert: Nach zehn Minuten war einer wieder da.“

Eine weitere Anwohnerin:

„Das Nachbarschaftsfest Ursulakloster endete kürzlich abrupt, weil ein zweijähriges Mädchen ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die Kleine spielte draußen und hatte plötzlich eine Fixernadel im Arm.“

Junge Frauen im Veedel empören sich:

„Wir haben es satt, an den U-Bahn-Zugängen von den rumlungernden Gestalten ständig mit »Ficki-Ficki-Sprüchen« belästigt zu werden.“

Für viele ist der Platz eine No-Go-Area.

Ein benachbarter Arzt:

„Ich und meine Sprechstundenhelferinnen machen einen weiten Bogen um den Platz beim Weg zur Praxis. Und das empfehlen wir auch unseren Patienten.“

Quelle: http://www.focus.de/regional/koeln/koeln-krisensitzung-im-veedel-wie-die-polizei-die-anwohner-enttaeuscht_id_7729130.html

Foto: Bürgerverein Eigelstein

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