Frau (23) mit Astsäge bedroht und vergewaltigt!

9.36 Uhr im Bonner Landgericht. In Handschellen und Fussfesseln wird Eric X. (31) in den Saal geführt.

Er trägt ein hellblaues Sweatshirt, setzt sich auf die Anklagebank zu seinen Anwälten Martin Mörsdorf und Birgit Schurz. Zwei Wachtmeister sitzen hinter ihm.

Die Staatsanwaltschaft ist sicher: Eric X. ist der Campingplatz-Vergewaltiger.

► Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen. In der Nacht zum 2. April – so der Vorwurf – hatte der Ghanaer ein Studentenpärchen überfallen, das in der Siegaue zeltete. Er bedrohte es mit einer Astsäge, vergewaltigte die junge Frau (23) vor den Augen ihres Freundes (26).

Ruhig hört Eric X. zu, wie die Oberstaatsanwältin Claudia Trauzettel die Anklage verliest: „Er schnitt gegen 0.15 Uhr das Zelt der Zeugen auf.“ Bedrohlich habe er sich aufgebaut, aggressiv auf das Paar eingesprochen. Beute: sechs Euro und eine Lautsprecherbox im Wert von 120 Euro.

Doch damit war der Horror nicht vorbei

Die Oberstaatsanwältin:

„Er zeigte mit der Astsäge auf die Zeugin: ,Come out, bitch. I Wanna fuck you.‘ Die Zeugin kam der Aufforderung nach. Sie hatte Todesangst. Er lotste sie zehn Meter weg, zwang sie, sich auf eine Decke zu legen, die er mitgebracht hatte. Er zog seine Hose runter und drang in sie ein. Die Astsäge lag griffbereit in der Nähe.“ Dann sei Eric X. davongelaufen.

Der Richter belehrt den Angeklagten: „Es steht Ihnen frei, sich zu äußern.“ Sofort legt Eric X. los, obwohl ihm seine Anwälte geraten haben zu schweigen: „Warum soll ich schweigen über eine Tat, von der ich nichts weiß? Ich will eine Aussage machen.“

Er hat bisher stets seine Unschuld beteuert. Doch DNA-Spuren sollen ihn überführen.

Außerdem hatte er bei seiner Festnahme die Lautsprecherbox dabei, die er dem Paar geraubt hatte.

Er beleidigt das Opfer

Als das Gericht ihm vorhält, dass seine DNA zu Spuren am Opfer passt, wird er sauer – und beleidigt die junge Frau.

Eric X.:

„Wenn das Gericht sagt, die DNA passt, dann muss ich das Mädchen eine Prostituierte nennen.“

Und weiter:

„Jeder, der dieses Mädchen unterstützt, das behauptet, vergewaltigt worden zu sein, ist der dreckigste Mensch auf Erden.“

Der Richter unterbricht ihn:

„Ich habe eine Fürsorgepflicht. Besteht Gesprächsbedarf mit der Verteidigung?“ Danach ist Eric X. ein wenig ruhiger. Aber er bleibt dabei: „Wenn der Richter weiß, wessen DNA es ist – ich weiß es nicht.“

Opfer traten als Nebenkläger auf

Durch das Leugnen von Eric X. wird seinen Opfern die Aussage nicht erspart. Sie sind Nebenkläger im Prozess, ließen sich gestern von ihren Anwälten vertreten.

► Anwältin Nadine Krahé, die den Studenten vertritt, zum Verhalten von Eric X.: „Das ist natürlich belastend für unsere Mandanten.“ Wie der 26-jährige das erlebte verarbeitet: „Je näher es auf den Prozess zugeht, umso belastender ist die Situation wieder.“

► Anwältin Gudrun Roth, die die junge Frau vertritt: „Wenn einem Opfer nicht geglaubt wird oder versucht wird, es zu verhöhnen, ist das immer ein Schlag ins Gesicht.“ Wie es dem Opfer geht: „Einer Frau, der derartiges passiert ist, kann es sicher nicht gut gehen.“

Doch der Angeklagte beharrt auf seiner Unschuld. Auch dass die Zeiterfassung in der Asylunterkunft in Sankt Augustin, in der er lebte, zeigt, dass er zur Tatzeit nicht dort war, ist für den Angeklagten eine Art Verschwörung.

Um 19.58 Uhr am 1. April ging er dort weg, kam erst um 3.06 Uhr am 2. April wieder, zeigen die Aufzeichnungen. Er aber beharrt: „Ich war im Camp.“
Dann sagt er sauer zum Richter: „Wissen Sie was. Ich habe keine Zeit, diese Märchengeschichte hier zu hören.“

Wie gefährlich ist dieser Mann?

Im Knast griff Eric X. Beamte an, sitzt in einem besonders gesicherten Haftraum. Er soll sogar ein Killer sein. Dem Gutachter vertraute er an, dass er bereits in Ghana seinen Schwager erschlagen hatte.

Eric X. lebte in einer Flüchtlingsunterkunft in Sankt Augustin. Er war im Februar über Italien nach Deutschland eingereist, sollte schon Mitte März abgeschoben werden. Doch er klagte dagegen, war nur deshalb zur Tatzeit noch im Lande.

Unfassbar, wie tapfer die junge Frau während der Tat war. Auch das war Thema vor Gericht. Sie versuchte demnach, den Angreifer zu beruhigen, leistete keinen Widerstand. „Gehen Sie bitte und lassen Sie uns leben“, soll sie gefleht haben.

Ihr Freund hatte noch während der Tat bei der Polizei angerufen, aber sein Notruf wurde nicht ernst genommen. Für eine Beamtin der Leitstelle hatte das Konsequenzen. Sie wurde zwangsversetzt.

Der Prozess ist auf acht Verhandlungstage angesetzt. Die Anklage lautet auf Vergewaltigung und schwere räuberische Erpressung. Ein Urteil wird am 19. Oktober erwartet.

Quelle: http://www.bild.de/regional/koeln/vergewaltigung/campingplatz-vergewaltiger-53323020.bild.html#fromWall

Foto: Mario Jüngling

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.