Ermittler: Radikal-islamischer Hintergrund liegt nahe

Nach der Messerattacke in einem Hamburger Supermarkt gehen die Ermittler von einen islamistischen Hintergrund aus. Der 26-Jährige, der wahllos auf Menschen eingestochen hatte, war als Islamist bekannt und galt als psychisch labil. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Das Wichtigste in Kürze: Ein Mann hatte in einem Hamburger Supermarkt auf Kunden eingestochen. Eine Person kam bei der Attacke ums Leben, sechs weitere Menschen sowie der Täter wurden verletzt. Noch bevor die Polizei eintraf, überwältigten beherzte Verfolger den Täter. Herbeieilende Zivilfahnder der Polizei nahmen ihn vorläufig fest. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich laut den Behörden um einen ausreisepflichtigen Mann, der der palästinensischen Volksgruppe angehört.

Die aktuellen Entwicklungen im News-Ticker:

16.54 Uhr: Die Stellungnahme der Bundesanwaltschaft zu den Ermittlungen gegen Ahmad A. soll in wenigen Minuten beginnen. Mit Spannung erwartet wird vor allem, ob es schon Erkenntnisse dazu gibt, wie sich der Mann derart schnell radikalisieren konnte. Wir tragen es hier im Ticker nach, sobald das Statement vorliegt.

Generalbundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen zu Messerangriff in Hamburg

16.13 Uhr: Die Ermittler in der Messer-Attacke von Hamburg gehen mittlerweile davon aus, dass die Tat von Angreifer Ahmad A. einen islamistischen Hintergrund hatte. Die Generalbundesanwaltschaft hat daher die Ermittlungen übernommen. Ein radikal-islamischer Hintergrund liege nahe, der 26-jährige Angreifer habe sich aber wohl selbst radikalisiert, teilte die Karlsruher Behörde am Montag mit. Ahmad A. habe bei seiner Vernehmung ausgesagt, dass er sich selbst radikalisiert habe.

Zwei Tage vor dem Angriff habe er „sich schließlich für eine entsprechende Lebensweise entschieden“, heißt es in der Mitteilung. Am Tattag selbst habe er dann den Beschluss gefasst, als Märtyrer zu sterben. Die Bundesanwaltschaft wird um 17 Uhr eine Stellungnahme zu den Ermittlungen abgeben.

Nach Messerattacke öffnet Hamburger Supermarkt wieder

Montag, 31. Juli, 11.24 Uhr: Die betroffenen Edeka-Filiale hat am Montagmorgen erstmals nach der Messerattacke wieder geöffnet. Es seien auch Kollegen, die am Freitag im Supermarkt waren, wieder im Einsatz, sagte Unternehmenssprecher Gernot Kasel der Deutschen Presse-Agentur. “Es ist für die Mitarbeiter natürlich schwer, wieder an diesen Arbeitsplatz zurückzukehren.”

In einem an der Eingangstür der Filiale angebrachten Schreiben bat das Unternehmen, von Fragen an Mitarbeiter sowie Kunden in Zusammenhang mit der Tat abzusehen. Sie brauchten Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten, sagte Kasel. “Allen Mitarbeiten wurde psychologische Unterstützung angeboten, einige haben das auch schon in Anspruch genommen.” Da nicht alle Kollegen schon wieder arbeiten könnten, unterstützten andere Edeka-Händler den Markt an der Fuhlsbüttler Straße, auch mit Personal.

“Wir sind nach wie vor erschüttert über diese schreckliche Tat. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen”, sagte Kasel. “Wir möchten allen danken, die uns unterstützt haben, die uns auch ihre Anteilnahme gezeigt haben hier am Markt, auch mit den vielen Blumen, die niedergelegt wurden.” Viele würden ihre Hilfe und Unterstützung anbieten. Kasel: “Das ist sehr schön zu sehen, wie sehr die Menschen hier im Stadtteil zusammenhalten.”

Debatte zu Umgang mit abgelehnten Asylbewerbern geht weiter

Sonntag, 30. Juli, 16.21 Uhr: Nach der Messerattacke von Hamburg gibt es eine erneute Debatte um den Umgang mit abgelehnten Asylbewerbern. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte der “Bild am Sonntag”, der “verfahrenstechnische Teufelskreis” müsse beendet werden. “Wenn eine Radikalisierung bekannt ist, müssen solche Personen aus dem Verkehr gezogen und festgesetzt werden, bevor sie Taten begehen.” Der SPD-Innenexperte Burkhard Lischka argumentierte in der “Heilbronner Stimme”: “Auch wenn die konkreten Umstände noch unklar sind, stellt sich die Frage, warum der Mann nicht in Abschiebehaft saß.”

In der “Welt am Sonntag” sagte Lischka, dass auf “besonders kooperationsunwillige Herkunftsländer auch wirtschaftlicher Druck ausgeübt werden muss, um Rückführungen ihrer Staatsbürger zu ermöglichen”. Im konkreten Fall müsse geprüft werden, ob die verantwortlichen Behörden “alle ihnen gesetzlich zustehenden Instrumentarien genutzt haben, um die Handlungsspielräume des Attentäters einzuschränken”, zum Beispiel Meldeauflagen, Aufenthaltsbeschränkungen oder auch das Mittel der Abschiebehaft.

Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster forderte in der Zeitung mehr Bundeskompetenzen bei Rückführungen. Die Integrationsbeauftragte der CDU/CSU Fraktion, Cemile Giousouf, erklärte: “Das Umfeld beschreibt, dass es bei seiner Radikalisierung zusehen konnte. Die Behörden sahen keinen Anlass, diesen Mann in Abschiebehaft zu nehmen.”

Quelle: http://www.focus.de/politik/deutschland/messerangriff-in-hamburg-im-news-ticker-ermittler-glauben-an-islamistischen-hintergrund_id_7419202.html

Foto: dpa

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