Nach Vergewaltigung: Familie des Opfers aus dem Enzkreis wartet noch auf Antwort der Politik

Unter dem Verbrechen vom April leiden eine aus dem Enzkreis stammende junge Frau, ihr Freund und die Familien des Paares bis heute.

Die 23-Jährige war beim Campen in der Siegaue bei Bonn vor den Augen ihres Freundes vergewaltigt worden (die PZ berichtete). Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war der Täter ein in Italien und dann auch in Deutschland abgelehnter Asylbewerber aus Ghana.

Der Vater des Opfers schilderte die Folgen dieser Tat in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Innenminister Thomas de Maizière und verband das mit scharfer Kritik an der Abschiebepraxis in Deutschland.

Denn der mutmaßliche Täter, betonte der Mann aus dem Enzkreis, hätte zum Zeitpunkt des Verbrechens gar nicht mehr im Land sein dürfen.

Antwort habe er bis heute noch nicht erhalten, sagt der Vater.
Er rechne eigentlich auch gar nicht mit einer direkten Reaktion aus Berlin. Grundsätzlich liegt er damit nicht so falsch, heißt es aus dem Bundespresseamt.
Aber dessen Hinweise auf den Umgang mit offenen Briefen beispielsweise an die Kanzlerin seien nicht auf den „aufwühlenden Fall“ der jungen Frau und ihrer Angehörigen gemünzt. Grundsätzlich hatte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer kürzlich gesagt, dass die Kanzlerin die vielen an sie gerichteten Briefe nicht alle selbst lesen könne.
Sie werde aber regelmäßig über darin geäußerte Meinungen, Anregungen und Probleme unterrichtet.
Während das Echo auf die Anliegen der Familie aus dem Enzkreis noch offen ist, zeigen die jüngsten Erkenntnisse zu dem Verbrechen, dass die betroffenen jungen Leute auch weiteren Belastungen ausgesetzt waren. Wie berichtet, hat sich die Bonner Polizei mittlerweile bei den Opfern dafür entschuldigt, dass der Notruf des Freundes der jungen Frau zunächst nicht ernst genommen worden war.
Zwar hatte die Beamtin in der Polizeileitstelle letztlich Streifenwagen in die Siegaue geschickt, doch statt auf den verängstigten jungen Mann einzugehen, hatte sie nach übereinstimmenden Berichten örtlicher Medien gefragt:
„Sie wollen mich nicht verarschen, oder?“
Bei zwei weiteren Anrufen war der 26-Jährige dann ohne weitere Hilfe an eine andere Dienststelle verwiesen worden.Die Familie des Opfers verfolgt intensiv, wie die Polizei disziplinarisch mit dem Vorfall umgeht.
Fassungslos steht sie aber vor dem, was auf die Betroffenen im Internet und in sozialen Medien hereingebrochen ist.
In offenen Foren unter Medienberichten über den Fall war beispielsweise neben Hass auf den Verdächtigen auch auf die Opfer eingeprügelt worden.

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