Düsseldorf öffnet Security Point für Silvesternacht

Bereits an Karneval gab es in Düsseldorf eine zentrale Anlaufstelle für Frauen. Da kam niemand – und das sei auch gut so, so die Organisatoren.

Ähnlich wie schon an Karneval gibt es auch an Silvester einen Schutzraum für Frauen in Düsseldorf, einen Security Point. Diesmal ist der Anlaufpunkt für Betroffene, die sich bedroht fühlen, sexuelle Übergriffe gesehen oder erlebt haben, zentral zwischen Rathaus und Burgplatz gelegen. Die Organisatoren reagieren mit dem Security Point auf die Vorfälle von sexueller Belästigung an Silvester 2016. Im Anschluss wurden in Düsseldorf 118 Vorfälle zur Anzeige gebracht.

„Wir wünschen uns, dass die Frauen die Möglichkeit haben, in Sicherheit zu feiern“

An Karneval war der Sicherheitspunkt an der Mertensgasse bei den Düsseldorfer Jonges untergebracht, dieses Mal soll er exponierter sein. „Hier war absolut nichts los“, erinnert sich Elisabeth Wilfart, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Aber das sei auch gut so, schließlich wolle man mit der Einrichtung einerseits konkrete Hilfe anbieten, aber eben auch ein Zeichen setzen. „Wir wünschen uns, dass die Frauen die Möglichkeit haben, in Sicherheit zu feiern“, sagt auch Mit-Koordinatorin Eva Inderfurth von der Frauenberatungsstelle. Allein schon die Kenntnis über eine Anlaufstelle gebe da Sicherheit. Zudem spreche man damit auch die Zivilcourage der Menschen an, es sei eben nun mal kein Kavaliersdelikt, „eine Frau in der Kneipe an den Hintern zu grapschen“.

Security Point ist Am Burgplatz 11 in städtischen Räumen von 22 Uhr bis 3 Uhr nachts geöffnet

Am 30. Dezember werden in Kneipen und Bars der Altstadt Postkarten und Poster verteilt. Darauf abgebildet: Genaue Daten sowie ein kleiner Stadtplan, damit Betroffene einfach zum Anlaufpunkt oder zur Polizeiwache finden, schließlich kommen auch viele von außerhalb in die Landeshauptstadt. In der Silvesternacht wird dann Am Burgplatz 11 in städtischen Räumen von 22 Uhr bis 3 Uhr nachts Hilfe angeboten. Sechs Berater, von der Polizei, der Frauenberatungsstelle und der Stadt, bieten kostenlose Unterstützung an, auf Wunsch auch anonym.

„Viele Frauen wollen sich zuerst informieren und vielleicht erst später eine Anzeige machen“, sagt Etta Hallenga von der Frauenberatungsstelle. Die Polizeibeamten hingegen müssten bei Vergewaltigung automatisch ermitteln, da es sich um einen sogenannten Offizialdelikt handelt.

Thorsten Fleiß ist auch nur ein Mensch. „Ich wünsche mir, dass alle Besucher auf dem Burgplatz an Silvester friedlich feiern können“, sagte der Polizeirat beim Ortstermin, an dem die neue Videoüberwachung im Herzen Düsseldorfs vorgestellt wurde. „Aber ganz ehrlich: Fünf Grad plus starker Nieselregen wäre an dem Tag auch nicht verkehrt, denn das würde weniger Besucher bedeuten und uns den Job deutlich erleichtern.“ Es ist klar: In der Behörde ist man froh, dass ein arbeitsreiches Jahr dem Ende entgegensteuert.

Eine der vorerst letzten großen Herausforderung vor dem Jahreswechsel war laut Polizeipräsident Norbert Wesseler logistischer Natur. In Kooperation mit der Stadt hat man noch rechtzeitig vor Silvester fünf neue feste Kameras auf dem Burgplatz (Freitreppe, Hauptplatz und Rathaus) und in der Kurze Straße (Ecke Burgplatz sowie Dreieck Andreasstraße/Kurze Straße/Mertensgasse) installieren können. „Wir waren bei den Bestellvorgängen nicht immer sicher, ob es rechtzeitig klappt“, so Polizeichef Wesseler. „Aber jetzt haben wir eine Punktlandung hingelegt.“

Um an Silvester mehr Sicherheit für die friedliebenden Besucher zu gewährleisten, wurde neben dem großräumigen Böllerverbot (NRZ berichtete) nun die Videoüberwachung an den neuralgischen Bereichen auf 13 Kameras aufgerüstet. Im April 2005 wurde die Videobeobachtung mit vier Kamerastandorten an der Bolkerstraße in Betrieb genommen. Vor zwei Jahren im April dann die Erweiterung um einen Standort am Bolker Stern. Jetzt also fünf neue Kameras, deren „technische Weiterentwicklung man deutlich sieht“,so Wesseler. Die Bildqualität sei klar verbessert, „die Kameras liefern gestochen scharfe Bilder“. Alle Kameras liefern für die Kollegen in der Altstadtwache eine 360 Grad-Perspektive, die Einstellungen sind auf dem Monitor dort per Mausklick leicht zu händeln.

Zu den nun zehn fest installierten Videokameras werden zum Jahreswechsel drei weitere transportable Geräte im Einsatz sein. Zwei sind am Schlossturm befestigt, eine weitere Kamera am Dreieck Kurze Straße/Andreasstraße/Mertensgasse. Sie waren bereits an Karneval in diesem Jahr scharf gestellt, zwischenzeitlich aber wieder abtransportiert worden. Die fünf Kameras an der Bolker Straße sind täglich von 15 Uhr bis 6 Uhr morgens im Einsatz. Im Erweiterungsbereich Burgplatz und Kurze Straße läuft die Überwachung an den Wochenenden von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens.

Die Polizei rüstet wie berichtet zum Jahreswechsel aber auch personell stark auf. Doppelt so viele Einsatzkräfte sollen in der Silvesternacht für Sicherheit sorgen. Die Rede ist von einigen hundert Beamten, die nach Bedarf auch Unterstützung von Kräften aus ganz NRW bekommen. Zur höheren Sicherheit auf dem Burgplatz soll auch das neue Beleuchtungskonzept beitragen. Einige, bereits vorhandene Lichtmaste werden mit LED-Leuchten ausgestattet. Bei angespannter Lage kann das Licht deutlich heller eingestellt werden.

Betroffene müssen nicht persönlich vorbeikommen, sondern sie können auch eine Telefonnummer anrufen, die bis zum 1. Januar bis 22 Uhr freigeschaltet ist: 0211/686854.

Quelle: WAZ

Foto: Annabell Fugmann

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